StadtRevue Archiv | Artikel

Ausgabe: 1.2017

Kategorie: Thema
Stichwort: Durch die Stadt, Verschönerung Ebertplatz, SPD

Mehr Beton wagen!

Abermals streitet die Politik um eine Verschönerung des Ebertplatzes


Alle tappen im Dunkeln — Die SPD versucht’s demnächst mit LED, Foto: Manfred Wegener

Ein ungenutzter Springbrunnen, eine Passage mit Kunst, viel Autoverkehr und noch mehr Beton — es gibt kaum einen Ort der Kölner Innenstadt, der so polarisiert wie der Ebertplatz. »Ich wohne seit 44 Jahren in Köln«, sagt Andreas Hupke, grüner Bezirksbürgermeister der Innenstadt. »Seitdem diskutieren wir über den Ebertplatz.«

 

Die SPD hat der Diskussion jetzt zwei Seiten Papier hinzugefügt. Im Dezember hat sie in der Bezirksvertretung Innenstadt einen Antrag für ein Sofortprogramm für den Ebertplatz eingebracht. »Wir haben von vielen Anwohnern gespiegelt bekommen, dass der Platz ein Angstraum ist, den sie ungern passieren«, begründet BV-Mitglied Regina Börschel (SPD) den Vorstoß ihrer Fraktion. Mit einer helleren Beleuchtung, Videoüberwachung, der Beseitigung von Graffiti und Vandalismusschäden sowie mehr Veranstaltungen auf dem Platz will Börschel die von ihr beschriebene Entwicklung aufhalten. Ein weiterer Punkt ist die Beseitigung der Hochbeete auf dem Platz. »Die sind ein ideales Versteck für die Drogendealer«, sagt Börschel.

 

Tatsächlich ist der Ebertplatz in letzter Zeit verstärkt in den Fokus der Polizei geraten. »Teile der Dealerszene haben sich vom Weltjugendtagsweg an den Ebertplatz verlagert«, berichtet Polizeisprecher Christoph Gilles. Bislang hatten die Dealer am Rand der Altstadt überwiegend Gras verkauft, nach Silvester sind dort die Kontrollen aber schärfer geworden. Die Konsequenz: Laut Polizei gibt es eine Steigerung der Betäubungsmittel­delikte am Ebertplatz — von 60 Delikten in 2015 auf bislang circa 260 Delikte im Jahr 2016. »Die Stimmung ist aggressiver geworden«, findet auch Bezirksbürgermeister Andreas Hupke, der schon länger für ein Modellprojekt zum legalen Verkauf von Cannabis wirbt. »Früher, mit den Heroin-Junkies, war es unangehmer«, sagt dagegen Hayko Migirdicyan. Seit 22 Jahren arbeitet er im Kiosk in der KVB-Haltestelle Ebertplatz, den er von seinem Vater übernommen hat. Ein Angstraum sei der Ebertplatz nicht, die Polizeikontrollen seien unnötig: »Das wird gemacht, weil jetzt die Schwarzafrikaner hier sind.«

 

In der Tat sind die Polizeikontrollen für den statistischen Anstieg der Betäubungsmitteldelikte mitverantwortlich. »In einer Großstadt wie Köln liegt immer ein gewisses Aufkommen dieser Delikte vor«, erläutert Christoph Gilles. »Vermehrte Einzel- und Sammelkontrollen, wie wir sie auch am Ebertplatz seit Jahresbeginn durchführen, lassen die per se vorhandene Zahl deutlicher aufscheinen.« In allen anderen Bereichen ist die Kriminalität dagegen zurückgegangen, was Gilles auf die erhöhte Polizeipräsenz zurückführt. Die Anzahl der Körperverletzungen ist von 30 auf 20 gesunken, auch die Taschendiebstähle sind um circa ein Drittel auf 90 Fälle zurückgegangen. Dabei ist der Ebertplatz mit rund 30.000 Ein- und Ausstiegen täglich eine vielgenutzte Haltestelle. Christoph Gilles hält deshalb auch eine Videoüberwachung des gesamten Platzes für unnötig: »Wir gehen täglich am Ebertplatz auf Streife, aber es gibt dort kein konstant hohes Einsatzaufkommen.«

 

Fast alle Beteiligten sind sich einig, dass mehr Veranstaltungen die Atmosphäre am Ebertplatz verbessern würden. »Ein Weihnachtsmarkt wäre nett«, sagt Hayko ­Migirdicyan, und Regina Börschel könnte sich dem anschließen. »Die Stadt Köln erlaubt uns nicht, Kunstevents auf dem Platz zu machen«, berichtet dagegen Meryem Erkus vom Gold & Beton, einer von drei Kunsträumen, die sich in der Ebertplatz-Passage befinden. »Der Ebertplatz ist die einzige innerstädtische Nische für den Underground«, sagt Erkus und erzählt dann von New Yorker Künstlern, die von dem Platz ganz begeistert seien. »Die Stadt hat ihn aber verfallen lassen«, fügt sie hinzu. Auch Bezirksbürgermeister Hupke gibt der Stadt eine Mitschuld am Zustand: »Nachdem man die Rolltreppen nicht mehr saniert hat, ist es bergab gegangen.« Er wünscht sich eine möglichst umfassende Neuplanung wie im Masterplan für die Innenstadt vorgesehen. Das Problem dabei: Dafür ist der Bezirk Innenstadt nicht zuständig. Der Ebertplatz ist von »stadtweiter Bedeutung« und damit fällt er in die Verantwortung des Rats und seiner Ausschüsse.

 

Die Bezirksvertretung Innenstadt hat sich Mitte Dezember am Ebertplatz getroffen, um sich ein Bild zu machen. Von den Sofortmaßnahmen der SPD wird vermutlich eine übrig bleiben: bessere Beleuchtung. Die Brunnenskulptur in der Mitte des Platzes soll demnächst mit LEDs beleuchtet werden.

 

 


Von: Christian Werthschulte
«  Revolution an den Rändern  Polizeikessel statt Party» Datensatz 52 von 4730 insgesamt.