StadtRevue Archiv | Artikel

Ausgabe: 2.2017

Kategorie: Literatur
Stichwort: Comicfestival

Gezeichnete Zusammenstöße

Beim Kölner Comicfestival prallen Comicleser auf Literaturhausbesucher, Rassisten auf dreibeinige Hunde und verkannte Künstler auf den Kunstmarkt


Künstler hungern — auch Vögel sind da keine Ausnahme: »The Artist« von Anna Haifisch

»Das Recht auf Karikatur ist ein Grundprinzip unserer Kultur«, schreibt Andreas Platthaus in »Das geht ins Auge«, seinem Blick auf 2000 Jahre Geschichte des gezeichneten Spottes. Die Wirkung der Karikatur sei wie zwei Passanten, die auf der Straße zusammenzustoßen drohen und im Versuch, sich aus dem Weg zu gehen, die exakt gleichen Bewegungen ausführen: »So wie diese Passanten dann darüber lachen, wie ähnlich sie agieren, so lachen wir als Betrachter auch über die Ähnlichkeit karikierter Situationen mit unserem eigenen Erleben. Doch bisweilen kommt es tatsächlich zum Zusammenstoß. Dann gibt es nichts mehr zu lachen. Dann geht die Karikatur ins Auge.« 

 

Andreas Platthaus hält im Rahmen des zweiten »Kölner Comicfestivals« den Eröffnungsvortrag im Literaturhaus. Dort werden solche Momente des Zusammenstoßens sicher häufiger zu erleben sein —  wie auch bei den zahlreichen Lesungen. Comicleser prallen auf Literaturhausbesucher, das Berlin der Gegenwart auf kafkaeske Verwandlungen, Rassisten auf dreibeinige Hunde, Hamburg auf China und verkannte Künstler auf die Mechanismen des Kunstmarktes. Anna Haifisch beobachtet in »The Artist« ihre vogelähnlichen Protagonisten beim aussichtslosen Versuch, als Künstler anerkannt zu werden. Jan Soeken begleitet in »Friends« zwei Freunde beim Versuch, zu einem Treffen des Ku-Klux-Klan zu gelangen, wobei sie sich im Wald verlaufen. Hamed Eshrads Protagonisten dagegen irren in »Venustransit« auf der Suche nach einem Sinn für das eigene Leben durch Berlin und Indien. Sascha Hommer reflektiert in »In China« über den westlichen Blick auf den fernen Osten und Max Baitinger über den Umgang mit dem Fremden im eigenen Leben. 

 

Für Freunde der Comicadaptionen literarischer Vorbilder gibt der Wiener Zeichner Nicolas Mahler einen Einblick in seine Umsetzung von Werken Robert Musils oder Thomas Bernhards. Von Mahler ist derzeit auch das Theaterstück »Flaschko — Der Mann mit der Heizdecke« in Köln zu sehen, mit der Comicfreundin Hella von Sinnen in der Hauptrolle. Darüber hinaus werden Zeichenworkshops für Jugendliche angeboten und ein Blick auf Themen und Arbeits-bedingungen der Kölner Comicszene geworfen. 

 

Die Männer in der Heizdecke: Nicolas Mahler & Denis Scheck 6.2., Theater im Bauturm, 19.30 Uhr

 

StadtRevue präsentiert

 

Comicfestival Köln, 10.–11.2., Literaturhaus

 

 


Von: Jonas Engelmann
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