StadtRevue Archiv | Artikel

Ausgabe: 10.2016

Kategorie: Film
Stichwort: Filmhauskino

Licht aus

Das Filmhauskino schließt wegen Sanierung

auf unbestimmte Zeit


Nichts hält länger als ein Provisorium, weiß der Volksmund. Für das Filmhauskino an der Maybachstraße hat eine Übergangslösung jetzt nach knapp vier Jahren, ihr Ende gefunden. Im November 2012 hatten Stephan Sarasi und Felix Seiffert den hundert Plätze fassenden Saal zur Zwischennutzung übernommen. Hoffnung auf ein längeres Intermezzo konnten sie sich nicht machen, hatte doch der Rat der Stadt bereits im Sommer beschlossen, über eine öffentliche Ausschreibung einen neuen Träger der Immobilie zu finden.

 

2016 ist diese Ausschreibung immer noch nicht auf den Weg gebracht. Zum Glück, kann man aus Sicht der Kinogänger sagen. Sarasi und Seiffert haben das vom ehemaligen »Kölner Filmhaus e.V.« über Jahre ziemlich vernachlässigte Kino wieder zu einem Treffpunkt gemacht, sei es durch Sonderveranstaltung wie das quirlige Festival »Besonders Wertlos« oder durch Erstaufführungen wichtiger Filme, die sonst in Köln nicht zu sehen gewesen wären.

 

Die Verzögerung der Ausschreibung hängt damit zusammen, dass 2014 bei einer Begutachtung des Gebäudes durch Sachverständige erhebliche Sicherheitsmängel festgestellt wurden: unter anderem beim Brandschutz, den Fluchtwegen und der Beleuchtung. Außerdem gibt es Schäden an der Lüftungs- und Heizanlage sowie an der Fassade. Offenbar hat der mittlerweile insolvente Filmhaus e.V., der das Haus 1998 komplett saniert übernommen hatte, Unterhaltsmaßnahmen unterlassen. Wie es allerdings sein kann, dass Fluchtwege fehlen, obwohl der Bau Ende der 90er Jahre ordnungsgemäß abgenommen worden ist, kann das zuständige Liegenschaftsamt der Stadt nicht erklären.

 

Nachdem das Haus schon Ende Juni geschlossen werden sollte, hat die Bauaufsicht der Stadt jetzt endgültig zum 30. September den Nutzungsvertrag auslaufen lassen, eine Ausnahme wird noch für einige Vorführungen des »Film Festival Cologne« geduldet. Die Sanierung ist allerdings von den politischen Gremien noch gar nicht beschlossen worden. Erst dann kann überhaupt eine Ausschreibung der Bauarbeiten erfolgen. Das Liegenschaftsamt gibt als voraussichtlichen Beginn der Arbeiten diesen Winter oder das kommende Frühjahr an. Die Sanierung könnte acht Monate später abgeschlossen sein — im günstigsten Fall. Doch so wie Provisorien oft ewig währen, so dauern Baustellen länger als geplant — das wissen Kölner aus leidvoller Erfahrung. Vor 2018 dürfte mit einer Wiedereröffnung nicht zu rechnen sein.


Von: Sven von Reden
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