StadtRevue Archiv | Artikel

Ausgabe: 12.2016

Kategorie: Musik
Stichwort: Berhard Lang, Reihe Tripclubbing

Anarchie und Wiederholung

In der Reihe Tripclubbing findet das Ensemble hand werk die Befreiung im Lachen


In einer Musik, die nicht in rein funktionalen Zusammenhängen begriffen wird, kann das stete Wiederholen nervtötend, ermüdend und ideenlos wirken. Es sei denn, das Wiederholte verändert sich, ist nicht mit sich identisch. Man kennt dieses Vorgehen etwa aus den Phasenverschiebungen in der Minimal Music oder auch von einigen Clicks & Cuts-Arbeiten, die auf dem Frankfurter Elektroniklabel Mille Plateaux erschienen.

 

Dann kann die Wiederholung Erkenntnisgewinne produzieren, das Bewusstsein schärfen und sensibilisieren. Das Zusammenspiel von Verschiedenheit und Repetition inspiriert auch Bernhard Lang. Lang, 1957 in Linz geboren, ist einer der interessantesten zeitgenössischen Komponisten aus Österreich. Er beschäftigt sich mit Strukturen, die aus Techno und Punk stammen, seine Arbeiten tragen Titel wie »I hate Mozart«. In »Differenz/Wiederholung« geht es ihm um eine kritisch-affirmative Auseinandersetzung mit DJ-Kultur und Reproduktion, mit der Instrumentierung Flöte, Tenorsaxofon und Klavier erschafft er eine Art leisen Cut-Up-Avant-Techno im Kammermusikgewand.

 

Ein Stück, das gut in das Portfolio von hand werk passt. Das 2011 gegründete Kölner Ensemble hat sich auf ungewöhnliche musikalische Zugriffe spezialisiert, im Repertoire finden sich neben Werken von John Cage, Morton Feldman und Iannis Xenakis fast ausschließlich solche von zeitgenössischen Komponisten. Die Mitglieder Daniel Agi (Flöte), Niklas Seidl (Violoncello), Christoph Stöber (Klavier), Rie Watanabe (Schlagzeug), Roman Pfeifer (Klangregie), Tobias Hartmann (Live-Elektronik) kennt man bereits aus verschiedenen Zusammenhängen, etwa den Ensembles Musikfabrik und Groba.

 

Neben Stücken von Bernhard Lang und der belgisch-niederländischen Komponistin Cathy van Eck spielen sie am Trippdubbing-Abend im Stadtgarten auch ein Stück aus ihren eigenen Reihen. »Das schmierigste Leben der Doreen Klax« ist die letzte Komposition von Niklas Seidl. Seidl, 1983 geboren, lässt sich von den Absurditäten des alltäglichen Lebens inspirieren. Er arbeitet mit Alltagsgegenständen (in »Doreen Klax« werden Umzugskartons gespielt), in seine Kompositionen verwebt er Samples aus Trashfilmen, nervtötende Sinustöne, El cóndor pasa und die Brachialästhetik eines Louis Andriessen. In einem Video posiert er für einige Sekunden in Yogi-Unterhose mit Panflöte, der Mann hat Humor.

 

 


Von: Bastian Tebarth
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