StadtRevue Archiv | Artikel

Ausgabe: 3.2017

Kategorie: Musik
Stichwort: netzmusik

Musik aus dem Netz


Starfrosch.com ist ein Aggregator für Creative Commons (CC) Musik, heißt: Jeden Montag durchforstet ein Bot alle im Laufe einer Woche auf SoundCloud, Jamendo, Free Music Archive und Internet Archive neu hinzugekommenen Tracks, jedes Mal mehr als 50000! Ein Algorithmus namens Hotrank analysiert die Popularität der Tracks anhand der Anzahl der Downloads, Streams und Favoriten, der Facebook Shares und Likes, Last.fm, YouTube und so weiter. Heraus kommen dann die #hot111 betitelten Charts, das zentrale Element von Starfrosch. »Mit den Charts erfassen wir die aktuellen Trends und suchen bewusst den Mainstream in der freien Musik«, erzählte Markus Koller, Betreiber und Gründer der Website, 2015 dem CC-freundlichen, netzpolitischen Verein D64 im Interview. Neben den #hot111 gibt’s auch einen Blog, eine Video-Rubrik und Starfrosch Radio. Das spült einem — auch hier ist der Algorithmus am Werk — einen bisweilen wirren Stilmix aus TripHop, Chiptunes, Folk und Reggae um die Ohren. Mitunter sind jedoch Entdeckungen zu machen wie zum Beispiel die kalifornische Electrosoul-Sängerin Oriel Poole soundcloud.com/orielpoole/ oder der südafrikanische Rapper PHFAT soundcloud.com/phfat. Man kann Musik eben nicht nach Lizenzen hören und sollte Algorithmen nicht den Mix überlassen.

 

 

Ein wenig zu unbemerkt für meinen Geschmack hat der Duisburger Elektronikproduzent Erich Schall sein drittes Album »Sonde« veröffentlicht, und zwar auf dem Label meines ehemaligen Co-Autors FC Stoffel. Elektronische Musik unter CC gibt es ja zuhauf, darunter immer auch viel beliebiges Zeug (deswegen diese Kolumne). Aber Schall ist besonders. Das, was andernorts zu Unrecht als Dubtechno bezeichnet wird, ist hier nichts anderes als fein ausgear-beitete, minimale elektronische Musik mit vielen handgemachten, klassisch-analogen oder gesampelten Sounds und cleveren, teils gar polyrhythmischen (sic) Arrangements. An seinen Maschinen (nix Laptop und so) kann man Herrn Schall gelegentlich beim Dreh-kommando im Kölner Kunstwerk erleben. Beim nächsten Mal vor-beikommen, mitmachen oder ein Pils trinken. Downloads und Updates auf derkleinegruenewuerfel.de

 

TEKLIFE VIP ist der Name einer Gratis-Kompilation der Chicago-basierten Footwork Crew Teklife. Für diejenigen unter Euch, die das — wie ich auch — erstmal einordnen müssen: Es handelt sich um einen dem Juke House entlehnten und auf der gleichnamigen Streetdance-Gattung basierenden Musikstil. Der Sampler jedenfalls bietet richtig tolle, hochenergetische elektronische Tanzmusik mit Tiefgang: Killertracks sind ... eigentlich alle, hervorheben muss ich aber Durban & Mel G’s spukigen Remix von »The Plug«, dem Hit des US-HipHoppers Rich the Kid, oder »Bam Bam VIP« von Manny & Phil: So klingt Dancehall aus dem Jahr 2050. »Zukunftmusik« und »Future Shock« attribuiert Klaus Walter, und wie so oft hat er Recht.
Von: Marco Trovatello
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