StadtRevue Archiv | Artikel

Ausgabe: 6.2017

Kategorie: Kommunal
Stichwort: Oper, Baustelle, Sanierung, Köln

Knall auf Knall

Ein externes Gutachten soll klären, wer die ­Verantwortung für die Kostensteigerung bei der Bühnen-Sanierung trägt


Es gibt vieles, was in Köln gerade nicht läuft. Aber je länger ein Skandal dauert, desto mehr scheint man sich daran zu gewöhnen. Siehe Einsturz Stadtarchiv. Siehe Messeskandal. Siehe Kalkberg. Dennoch: Es geht von ihnen eine Wirkung aus.

 

»Das Desaster hat die Vorfreude auf ein tolles Oper- und Schauspielhaus völlig vertrieben«, meint ein Ratsmitglied, »in der Bevölkerung, aber auch in der Politik.« Jemand anders meint: »Die Stimmung ist richtig mies, wenn es um das Opern-Debakel geht — und jetzt wird es einen Knall geben.« Diesen Knall wird man am 3. Juli hören. Dann will Bernd Streitberger, Technischer Betriebsleiter der Bühnen,  mitteilen, wie hoch die Kostensteigerung ausfallen wird und wann überhaupt die Bühnen am Offenbachplatz eröffnet werden können, seitdem man vier Monate vor dem geplanten Eröffnungstermin im November 2015 die Eröffnung ­platzen ließ.

 

Streitberger ist seit einem Jahr Technischer Betriebsleiter. Zuvor war er bis Mitte 2012 Bau- und Planungsdezernent der Stadt, danach Geschäftsführer der städtischen Entwicklungsgesellschaft Moderne Stadt, die unter anderem für das Clouth-Gelände in Nippes zuständig ist. Eine breite Mehrheit im Rat traute nur noch ihm zu, den Karren aus dem Dreck zu ziehen.

 

Dass Streitbergers Mitteilung für Aufregung sorgen wird, bezweifelt kaum jemand. Zumal drei Tage später im Rechnungsprüfungsausschuss der Stadt ein externes Gutachten vorgelegt werden soll, das brisant ist: Es geht um die Aufarbeitung des Desasters am Offenbachplatz und die »offensichtlichen Mängel in der Projektsteuerung und im Controlling«, die zu den »Verzögerungen und Fehlsteuerungen« führten. Es geht also nicht nur um die Verantwortung der beauftragten Firmen — das wird gerade vor Gericht geklärt —, sondern um »Maßnahmen auf Bauherrenseite, die die eingetretenen Projektstörungen verhindert hätten.« Die Kanzlei hat dazu »ausgewählte Projektbeteiligte« befragt, allerdings nicht Dezernenten oder Betriebsleiter, wie es ausdrücklich heißt. Und man dürfe das keinesfalls als »Beschuldigtenvernehmungen« ansehen, betonen die Gutachter. Schließlich geht es darum, wie solche Katastrophen in Zukunft verhindert werden können. Allerdings: Derweil plant die Stadt mit der Historischen Mitte am Dom bereits das nächste Mega-Projekt.

 

So falsch es ist, einen Sündenbock ausfindig machen zu wollen, so falsch wäre es auch, die »Bühnenhavarie« bloß als Folge ungünstiger Strukturen zu deuten. Es mögen Strukturen sein, die solche Desaster befördern — aber geschaffen werden sie von Menschen. Diese Strukturen verdecken und zerstreuen auch deren Verantwortlichkeiten. Ähnlich wie beim Messe-Deal. Wie beim Stadtarchiv. Wie beim Kalkberg.

 

 

 


Von: Bernd Wilberg
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