StadtRevue Archiv | Artikel

Ausgabe: 7.2017

Kategorie: Kunst
Stichwort: Wallraf-Richartz-Museum, Luise Straus-Ernst

Unheilvolle Früchte

Das Wallraf-Richartz-Museum erinnert an Luise Straus-Ernst


Die Ausstellung »Alte Kriegsdarstellungen — Graphik des 15. bis 18. Jahrhunderts« ist auf den ersten Blick eine Präsentation von Druckgrafiken aus der Sammlung des Wallraf-Richartz-Museums. Darunter ein Blatt aus der Serie »Schrecken des Krieges« (1632) von Jacques Callot: Wie »Unheilvolle Früchte«, so die Bildinschrift, hängen an einem Baum die Körper von gehängten Soldaten und Zivilisten, die im Dreißigjährigen Krieg aus der sozialen Ordnung gefallen und zu Bettlern und Dieben geworden waren.

 

Zugleich ist die Ausstellung die Rekonstruktion einer Schau, die vor hundert Jahren im WRM stattgefunden hat. Da war die anfangs verbreitete Begeisterung über den Beginn des Ersten Weltkriegs schon verrauscht. Und 2017 ist ebenfalls kein globales Friedensjahr. Darauf weist auch der zeitgenössische Beitrag hin, der das Rekonstruktionsprojekt an die Gegenwart anschließt: Die Künstlerin Louisa Clement arbeitet unter anderem mit Materialien, die bei der Vernichtung chemischer Kampfstoffe entstehen — ein Recycling ganz eigener Art.
Die Hauptfigur der Ausstellung ist jedoch ihre damalige Kuratorin:Die 1893 in Köln geborene Luise Straus. Als eine der ersten promovierten Kunsthistorikerinnen in Deutschland erhielt sie eine Stelle als »wissenschaftliche Hilfsarbeiterin« am WRM, war während des Krieges dessen kommissarische Leiterin und danach als freie Autorin und Vermittlerin für das Museum tätig. Seit Anfang der 20er Jahre schrieb sie als Journalistin für große Zeitungenwie die Neue Zürcher und war nicht zuletzt alleinerziehende Mutter des »Dadafex Minimus« Jimmy. Sein Vater, der Dada-Künstler Max Ernst (»Dadafex maximus«), mit dem sie seit 1918 verheiratet war, hatte 1922 in Paris ein neues Leben begonnen.

 

1933, als in Köln die Hakenkreuzfahnen gehisst wurden, verkündete der neu eingesetzte Museumsdirektor der Jüdin Luise Straus-Ernst das Ende ihrer Zusammenarbeit. Noch im gleichen Jahr ging sie ins Exil nach Paris, schrieb dort Alltagsreportagen und kleinere Erzählungen, flieht schließlich vor den Deportationen nach Südfrankreich. Luise Straus Ausreiseantrag in die USA wird abgelehnt. Ihre Autobiografie »Nomadengut«, die bewundernswert frei von Selbstmitleid und Ressentiment ist, verfasste sie kurz vor ihrer Deportation. 1944 wurde sie in Auschwitz ermordet.

 

 

 


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