StadtRevue Archiv | Artikel

Ausgabe: 11.2017

Kategorie: Musik
Stichwort: Netzmusik

Über Gentrifizierung in Las Vegas


Nur echt mit analogem Whiskey: Eric Steuer im El Cortez Hotel

Dos Feeliz sind Eric Steuer und Jason Betrue aus San Francisco und Los Angeles. Ihre aktuelle Veröffentlichung »Most Realest« (Plug Research) haben sie jedoch in Las Vegas aufgenommen: Fünfmal sind sie hingefahren, haben so viel tragbares Musikproduktionsgerät wie möglich eingepackt und sich im El Cortez Hotel und Casino eingebucht. Ein geschichtsträchtiger Ort, 1941 erbaut, zeitweise im Besitz des legendären Mobsters und Gangsters Bugsy Siegel und im Unterschied zu den Monsterhotels nicht am »Strip«, sondern in Downtown Las Vegas gelegen und mit nur 59 Zimmern recht klein. 

 

Der ideale Ort, um ein Album zu schreiben und zu produzieren, das Geschichten über Menschen in Las Vegas erzählt. Und zwar über diejenigen, die im derzeit stark von Stadterneuerung geprägten Downtown-Distrikt leben: Angestellte von Tech-Unternehmen, die sich die steigenden Mieten leisten können, aber auch Friseure, Barbesitzer, Bau-arbeiter, Dealer und Obdachlose, die sich das nicht mehr leisten können. All diese Leute haben Eric und Jason getroffen, sie sind die most realest. Musikalisch ist dieses Mini-Konzept-album stark geprägt von melodischem Duett-Gesang und intensiven Storytelling. Doch auch die 80er-Sounds ihrer tragbaren Geräte, elektronische Beats und weitere dem Trap, einer dunklen Spielart des HipHop, entlehnte Elemente spielen eine wichtige Rolle. 

 

Für Plug Research ist es das erste Album, das das renommierte Label (u.a. Dntel, Bilal, Flying Lotus) unter einer Creative-Commons-Lizenz veröffentlicht. Die erlaubt das, was heutzutage zwar fast selbst-verständlich, aber nicht legal ist. »Plug Research war absolut cool und hat die Idee, das wir das ausprobieren, voll und ganz angenommen. Sie wussten, dass es mir wichtig war, die Musik für jeden zum Remixen und Weitergeben verfügbar zu machen«, erzählt mir Eric, der seit vielen Jahren überzeugter Fürsprecher und Botschafter des freieren Zugangs zu kreativen Werken ist. Er schrieb lange für das Technologiemagazin Wired in leitender Position, ist heute noch als Korrespondent tätig, arbeitet aber hauptberuflich für die Non-Profit-Organisation Creative Commons. »Wenn Kreatives in einen Silo eingesperrt wird, sodass alle anderen es nur noch passiv anschauen oder anhören können, bleibt viel Potenzial ungenutzt. Es können tolle neue Werke und sogar ein Mehrwert für das Original entstehen, wenn man den Remix von vorneherein ermöglicht.« 

 

»Most Realest« ist auf Spotify, Apple Music, Beatport oder unter dosfeeliz.bandcamp.com zu finden

 

 


Von: Marco Trovatello
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