StadtRevue Archiv | Artikel

Ausgabe: 1.2018

Kategorie: Kommunal
Stichwort: Kommentar

Abrüsten, bitte!

Mitarbeiter vom Ordnungsamt laufen bald mit Pistole und Schlagstock herum. Das wird Köln nicht sicherer machen — im Gegenteil


Pionier der Pfefferpistole: Räuber Hotzenplotz

Die Mitarbeiter des Kölner Ordnungsdiensts werden künftig Schlagstock und Pfefferspray-Pistole mit sich führen. Dies sei zu ihrem Schutz nötig, sagt Stadtdirektor Stephan Keller (CDU), da sie immer häufiger bedroht oder angegriffen würden. Außerdem seien die Anforderungen an die Behörde seit der Silvesternacht 2015/16 enorm gestiegen, weil vor jeder Großveranstaltung ein spezielles Sicherheitskonzept gefordert werde. Auch das Personal soll fast verdoppelt werden — von jetzt 176,5 auf 303,5 Stellen im Jahr 2020. So sieht es das »Zielbild 2020« zur Stärkung des Ordnungsdiensts vor. 

 

Es ist verständlich, dass die Mitarbeiter sich gegen Angriffe schützen wollen. Schlagstock und Pfefferspray taugen dafür aber nicht. Selbst der Landesvorsitzende der Polizeigewerkschaft GdP Arnold Plickert äußert »große Sorge« angesichts der sechs Meter weit reichenden und mit Laserpointer ausgestatteten Pfefferspray-Pistole, die leicht mit einer Schusswaffe verwechselt werden kann. Er fürchtet, dass die neue Ausrüstung die Mitarbeiter des Ordnungsdiensts erst recht in Gefahr bringe. Der Einsatz eines Teleskop-Schlagstocks könne zudem »schwerwiegendste Verletzungen« verursachen.

 

Das Ordnungsamt ist eines der Pilotämter der Kölner Verwaltungsreform, die Ämter sollen in diesem Prozess modernisiert und bürgerfreundlicher werden. Auch Transparenz ist ein häufig genanntes Schlagwort. Die Art und Weise, wie das Ordnungsamt seinen Maßnahmenkatalog durchsetzen will, ist allerdings ziemlich undurchsichtig. Die Grünen-Fraktion beschwert sich zurecht darüber, dass das »Zielbild 2020« den zuständigen politischen Gremien einfach nur lapidar mitgeteilt wird. Sie fordern, dass im Rat über die Pläne diskutiert wird und dann die Ratspolitiker darüber entscheiden. 

 

Im Leitbild wird vor allem das subjektive Sicherheitsempfinden in der Bevölkerung als Maßstab genannt. Niemand wird sich aber sicherer fühlen, wenn im Straßenbild mehr bewaffnete Ordnungshüter zu sehen sind. Zumal, wenn ihre Rolle dem Bürger nicht vermittelt wird. Der Polizist soll Freund und Helfer sein, aber was ist der städtische Ordnungshüter? Wen soll er wovor schützen, wie weit darf und soll er dabei gehen? Von einem Leitbild würde man erwarten, dass es über diese Fragen Auskunft gibt. Vor allem aber müsste es eine bessere Ausbildung der Mitarbeiter in den Vordergrund stellen. Eine gut ausgebildete und besonnen wirkende Ordnungskraft vermittelt jedenfalls mehr Sicherheit als das Umhängen von Schlagstock und Pfefferpistole.

 

Anne Meyer ist Politikredakteurin der Stadtrevue. Pfefferpistolen kannte sie bislang nur aus Kinderbüchern: Der Räuber Hotzenplotz klaute der Großmutter damit ihre Kaffeemühle.

 

 


Von: Anne Meyer
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