StadtRevue Archiv | Artikel

Ausgabe: 11.2018

Kategorie: Kommunal
Stichwort:  »Clouth 104«

Geduldige Clouth-Bürger

Künstler, helft! Das riesige Neubauviertel in Nippes soll belebt werden


Yoga mit Ausblick: Baustelle von »Clouth 104«, Foto: © Kairos Red

Es ist eines der größten Kölner Wohnungsbau-Projekte der Stadt. Auf dem Gelände der ehemaligen Gummiwarenfabrik Clouth in Nippes entstehen 1200 Wohnungen, dazu gut 500 Büro-Arbeitsplätze.

 

Die ersten Bewohner sind vor gut drei Jahren eingezogen. Noch prägen vor allem die großen Häuserblocks und Baustellen das Areal, das so groß ist wie zwanzig Fußballfelder. Angesichts der Wohnungsmisere musste dicht gebaut werden. Aber unter diesen Umständen gilt das, was der städtische Projektentwickler Moderne Stadt hier umsetzt, als vorbildlich. So kamen etwa Baugruppen zum Zug, die für ein Mindestmaß an sozialer Mischung im Reißbrett-Veedel sorgen sollen, auch an Freiflächen wurde gedacht. Und weil kein Einzelhandel vorgesehen ist, um keine Konkurrenz zur nahe gelegenen Neusser Straße entstehen zu lassen, sollen Kunst und Kultur für Belebung sorgen. Im Südwesten des Areals an der Niehler Straße entsteht auf fünf Etagen samt Tiefgarage »Clouth 104«. 

 

Damit kommen auch Künstlerinnen und Künstler zurück. Seit die Gummiwaren-Fabrik in den 90er Jahren endgültig geschlossen wurde, werkelten bis 2013 noch gut zwei Dutzend Menschen in den alten Hallen, dann musste die Künstlergemeinschaft CAP Cologne weichen. Die Proteste halfen nicht, die Ateliers wurden abgerissen. Nun entstehen hinter einer alten Fassade gut zwanzig moderne Ateliers im Parterre des neuen Gebäudes, die Hälfte davon fördert das städtische Kulturamt. Dessen Leiterin Barbara Förster war es wichtig, dass es sich um Wohnateliers handelt und dass Kunst und Kultur aufs Gelände zurückkehren.

 

Die Ateliers sind aber nur eine Sache, hinzu kommen Restaurant, Bar und Büdchen, zudem ein individuelles Hotel mit 40 Betten, auch Co-Working-Spaces, Carsharing, Kinderbetreuung, außerdem ein umlaufender Dachgarten samt Yoga-Angebot mit Blick in den begrünten Innenhof.

 

Projektentwicklerin von Clouth 104 ist die Kairos GmbH aus Hamburg. »Weg von der kurzlebigen Gewinnmaximierung«, heißt es bei Kairos, »hin zu einer nachhaltigen Renditeberechnung über die gesamte Nutzungszeit eines Gebäudes«. Für Clouth 104 hat man sich all das auf die Fahnen geschrieben, was man heute als zukunftsträchtig ansieht und was den Spätkapitalismus und die Immobilienwirtschaft freundlicher erscheinen lässt. Da darf Kreativwirtschaft nicht fehlen: Der Filmkonzern Warner Bros. wird 4.200 Quadratmeter living offices beziehen. Kleinere Firmen und Start-ups werden folgen, so ist das gedacht. In Köln hat Kairos mit Moderne Stadt bereits im Rheinauhafen zusammengearbeitet, und seit 2011 arbeitet Kairos in der neuen Messe-City in Deutz für ECE, den umstrittenen europäischen Marktführer im Bereich Shopping-Center.

 

Das Clouth-Gelände werde eine »große Bereicherung für Nippes«, verspricht Kairos-Geschäftsführer Andreas Gerhardt. Gastronomie und Kultur-Events seien auch für die Nachbarschaft jenseits des Geländes attraktiv. Zudem werde man bei Clouth 104 langfristig Betreiber bleiben, und eine App werde über alle Angebote und Veranstaltungen informieren. »Nachbarschaft 4.0« nennt Andreas Gerhardt das.

 

Einer der Nachbarn ist Dierk Düchting, er lebt mit seiner Familie seit 2016 im Clouth-Quartier. Das Konzept für das neue Gebäude und dessen kulturelle Ausrichtung findet Düchting spannend. Ausschlaggebend für die Entscheidung, hierhin zu ziehen, sei aber die zentrale Lage zwischen Johannes-Giesberts-Park und Neusser Straße in Nippes gewesen, außerdem die Nähe von Zoo, Flora sowie Schwimmbad und Eishalle Lentpark. »Dazu kommt die für Kölner Verhältnisse hohe Qualität der Gestaltung der Bauten und Freiräume«, sagt Düchting, der selbst Architekt ist. Schon jetzt fühle er sich hier wohl. Das liege auch daran, dass die Nachbarschaft ja für alle Bewohner neu sei und es viele Kinder gebe. Beides führe dazu, dass die Bewohner sich öffneten und Kontakte knüpften. Belebung sei also eigentlich schon da, so Düchting. Noch für den November ist das Richtfest von Clouth 104 angekündigt, Mitte kommenden Jahres will man fertig sein. Dann sollen auch regelmäßig Ausstellungen und Konzerte stattfinden. »Und Yoga auf der Dachterrasse, na ja, mal gucken«, sagt Düchting. »Wir warten alle sehnsüchtig auf eine hoffentlich gute Gastronomie, die kürzlich eröffnete Bäckerei hat den Alltag hier schon bereichert.«
Von: Bernd Wilberg
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