StadtRevue Archiv | Artikel

Ausgabe: 12.2019

Kategorie: Kommunal
Stichwort: Trink-Genossenschaft

Spenden in Bar

Kultivierung der Demokratie mit Bier: Eine Genossen­schaft sammelt Geld für eine neue Art von Kneipe


Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps: die »Trinkgenossen« bei der Planwirtschaft, Foto: © Trink-Genosse

Finanzierung von Dokumentarfilmen für Spezialisten, neue Turngeräte für einen Sportvereine — um solche Dinge geht es meist, wenn man per Crowdfunding um Geld gebeten wird. Die »Trink-Genossen« rund um Service-Designer Jan Buckenmayer wollen aber Geld für etwas anderes: eine Bar. Das klingt sehr kölsch. Aber Buckenmayer und seine angehende Genossenschaft verknüpfen damit hehre Ziele: eine genossenschaftliche Bar zur Kultivierung der Demokratie, einer besseren Welt und — Wortspiel beabsichtigt! — das Modell einer alternativen Wirtschaftsweise. Aber Bier gehört natürlich auch dazu. Buckenmayer und seine Trinkgenossen treffen sich jeden Donnerstag in einer anderen Kölner Bar und planen ihre Initiative, gelegentlich organisieren sie auch Pub-Crawls.

 

Man freue sich darauf, mit »neuen Praktiken der Kommunikation zu experimentieren und gelingende freundschaftliche, geschäftliche, partnerschaftliche und finanzielle Beziehungen zu ermöglichen«, sagt Buckenmayer. Mit der Spende ermögliche man einen »Raum, in dem die Potenziale demokratischer Aktion in allen Facetten lebbar und erlebbar werden.« Und dazu brauchen Buckenmayer und die anderen eben nicht nur Ideen und Arbeitskraft, sondern eben auch Geld, nämlich 50.000 Euro. 

 

Gesammelt wird bei potenziellen Thekenstehern. Die Teilnehmer des Crowdfundings bekommen dafür mehr oder weniger konkrete Gegenleistungen in Aussicht gestellt. Sie reichen von einem »Trink-Genossen«-Geschirrtuch für 25 bis zu einem regulären Gründerbrief für jemanden, der 250 Euro gibt. Mit letzterem kann man sich, bei erfolgreicher Finanzierung, für eine sogenannte investierende Mitgliedschaft bewerben. »Jede und jeder von uns ist Eigentümer*in, Mitarbeiter*in und Gast« lautet der Grundsatz. Etwas Skepsis gegenüber dem eigenen alternativen Wirtschaftsmodell bleibt jedoch — denn wie bei allen Vereinen entscheidet auch bei den Trink-Genossen der Vereinsvorstand über die Aufnahme in die Genossenschaft. Das stört die potenziellen Eigentümer, Mitarbeiter und Gäste aber anscheinend nicht weiter. Mitte November war das erste Etappenziel von 25.000 Euro bereits deutlich überschritten.

 

Noch haben sich Buckenmayer und die Trink-Genossen nicht auf einen konkreten Schankraum geeignet. Denn auch über den Ort sollen die Mitglieder entscheiden, sobald das Crowdfunding erfolgreich abgeschlossen ist. Auf einem Stadtplan wurden aber bereits die Veedel markiert, in denen sich die Spender ihre Bar vorstellen könnten. Die Auswahl ist dann nicht ganz so originell wie das Projekt an sich: Belgische Viertel, Ehrenfeld und Nippes liegen vorn.

 

Das Crowdfunding läuft noch bis zum 30.11.2018. Mehr Infos auf trink-genosse.de
Von: Johannes A. Arens
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