StadtRevue Archiv | Artikel

Ausgabe: 12.2018

Kategorie: Musik
Stichwort: Adam Granduciel

The War On Drugs


Die Auftrittshistorie der vergangenen Jahre spricht eine eindeutige Sprache und zeugt von der stabil nach oben steigenden Erfolgskurve des aus Philadelphia stammenden Quartetts um Sänger, Gitarrist und Mastermind Adam Granduciel: 2014 bespielten The War On Drugs noch das Gebäude 9, 2015 dann die Live Music Hall, 2017 das  E-Werk und 2018 ist nun also das Palladium an der Reihe, das mit seiner 4.000er-Kapazität zukünftig nur noch von der KölnArena getoppt werden kann (das Müngersdorfer Stadion trauen wir ihnen dann doch nicht zu ...). Was ist also das Erfolgsgeheimnis dieser Band mit dem eigentlich doch so verhuschten Image? 

 

»Don’t know why, but I feel nostalgic listening to this song«, ist als Kommentar unter dem YouTube-Clip zu »Red Eyes« zu lesen, dem wohl bekanntesten Song der Band vom 2014er Durchbruchsalbum »Lost In The Dream«. Das bringt es auf den Punkt: Eigentlich ist die Band nämlich ganz nah dran an den Ikonen des 80er-Jahre-Mainstream-Rocks — Dire Straits, Bryan Adams, Bruce Springsteen, Tom Petty — und es sind schon immer die gaaanz großen Gefühle, die bei The War On Drugs getriggert werden. Die musikalischen Stilmittel sind dabei konsequent schlicht gehalten: Das Schlagzeug bzw. der Drumcomputer patscht schnörkellos treibend im geraden 4/4-Takt nach vorne, drei bis vier melancholische Power-Harmonien bilden das solide Fundament und drüber hinweg entfaltet sich ein Feuerwerk aus flirrenden E-Gitarren, aufwühlenden Piano-Figuren und künstlichen Pathos-Streichern, getoppt von Granduciels sanfter Reibeisenstimme.

 

Man muss schon sagen: Songs wie »Pain« würden sich in der Playlist nahtlos an Bryan Adams’ »Heaven« anschmiegen, da machen nur noch Feinheiten den Unterschied. Zum Beispiel das Fehlen von Slogans und der Verzicht auf weltumarmende Mitgröhlrefrains. Während bei »Heaven« alle Register gezogen werden, deuten The War On Drugs das Erlösungsversprechen nur an: Die Faust ist zwar schon längst in der Tasche geballt, darf sich am Ende aber doch nicht euphorisch gen Himmel recken.

 

Es ist nicht falsch, die Musik von The War On Drugs als Stadionrock zu bezeichnen. Gespielt von introvertierten Shoegazern.

 

 

 


Von: Oliver Minck
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