StadtRevue Archiv | Artikel

Ausgabe: 1.2019

Kategorie: Kommunal
Stichwort: Stadtrevue meint

Absolut bescheiden

Köln sieht sich auf einem guten Weg zur Verkehrswende — das stimmt nicht


Der »Modal Split« galt in der Kölner Stadtverwaltung lange als rotes Tuch. Er beschreibt, wie sich der Verkehr auf verschiedene Verkehrsmittel verteilt. Wer nutzt Auto, Fahrrad, Bus und Bahn — oder die eigenen zwei Beine? Seit Jahren ist unstrittig, dass in Köln weniger Auto gefahren werden muss. Es ist zu voll, zu laut und die Luft zu schmutzig.

 

Die Verwaltung erarbeitete vor mehr als vier Jahren »Köln mobil 2025«. In dem »Strategiepapier« bekundete man die Absicht, den Anteil des Autoverkehrs auf ein Drittel zurückzudrängen. 2006 lag er bei 43 Prozent. Ansonsten blieb »Köln mobil 2025« wenig konkret: Wann dieses »Leitziel« erreicht werden soll? 2025 oder 2030. Wie sich der sonstige Verkehr verteilen soll? Egal. Er wird einfach mit 66 Prozent im sogenannten Umweltverbund zusammengefasst. Das Strategiepapier blieb unverbindlich, politisch beschlossen wurde es ohnehin nie.

 

Wenn die Stadtspitze in den vergangenen Jahren über den Model Split sprach, musste sie sich meistens dafür rechtfertigen, warum es mit der Verkehrswende nicht vorangehe. Mittlerweile argumentiert vor allem Verkehrsdezernentin Andrea Blome offensiver. Im Juli veröffentlichte das Institut für angewandte Sozialwissenschaft die Studie »Mobilität in Deutschland 2017«. Die Kölnerinnen und Kölner legen demnach 35 Prozent ihrer Wege mit dem Auto zurück. Köln sei »auf dem besten Wege, die angestrebte Verkehrswende zu vollziehen«, vermeldete die Stadtverwaltung.

 

Aber das passt nicht zu dem, was man täglich auf den Straßen beobachten kann. Denn zum einen bezieht sich der Modal Split nur auf die Menschen, die in Köln gemeldet sind. Im Kölner Verkehr sind aber viele Pendler unterwegs, von denen knapp 60 Prozent das Auto nutzen. Zum anderen können absolute Zahlen auch dann steigen, wenn relative Anteile sinken. Das passiert derzeit in Köln. Die Bevölkerung wächst — und mit ihr die Zahl an zugelassenen Pkw.

 

1992 verabschiedete der Kölner Rat das bisher letzte Gesamtverkehrskonzept für Köln. Es galt seinerzeit als fortschrittlich. Heute begnügt sich die Stadt damit, sich bei der Verkehrswende selbst in die Tasche zu lügen. »Meilensteine müssen definiert werden, um die Zielerreichung nachverfolgen und gegebenenfalls justieren zu können«, schrieb der damalige OB Jürgen Roters (SPD) im Vorwort von »Köln mobil 2025«. Das ist bis heute nicht passiert.
Von: Jan Lüke
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