StadtRevue Archiv | Artikel

Ausgabe: 1.2019

Kategorie: Kommunal
Stichwort: Internationale Kölsche Mitte

Kleine kölsche Mitte

Eine rechte Gruppe aus FC-Fans demonstriert ­regelmäßig in Köln. Was steckt dahinter?


Kein Glühwein für Nazis: Internationale Kölsche Mitte, Foto: Bündnis90

Eigentlich mögen es die Bläck Fööss, wenn zu ihren Liedern geschunkelt wird. Aber diesmal distanzierte sich die Band vom »mißbräuchlichen Gebrauch« ihrer Lieder »durch rechte Gruppierungen«. Denn Mitte November wurde vor dem Hauptbahnhof ihr Hit »Du bes die Stadt« gespielt und dazu geschunkelt. Das Motto der Veranstaltung: »UN-Migrationspakt stoppen«.

 

Aufgerufen hatte dazu die »Inter-nationale Kölsche Mitte« (IKM), eine rechte Gruppe, die gerne mit ihrem FC-Fantum kokettiert. Mitte August war sie erstmals  am Hauptbahnhof in Erscheinung getreten. Ihre Wurzeln hat sie im Verein Begleitschutz, der sich nach den Silvester-Übergriffen 2016 gegründet hatte.  Dennis M., Anmel-der der Demonstration, legt manchmal als Hobby-DJ in einem Bickendorfer Techno-Club auf. Hans-Peter Killguss von der Mobilen Beratungs-stelle gegen Rechtsextremismus findet die Internationale Kölsche Mitte »diffus«:  »Die Organisatoren der Internationalen Kölschen Mitte sind Teil der Hooligan-Szene, aber in der Vergangenheit weder dort, noch in rechten Strukturen besonders hervorgestochen.« Er vermutet daher, dass sich die Organisatoren mit den Aufmärschen eine eigene Nische geschaffen haben. Die IKM konnte oft zwischen 50 und 80 Menschen mobilisieren, was für eine rechte Gruppe in Köln sehr viel ist. Aber in die rechte Szene NRWs hatten sie kaum Kontakte. Zwar nahm die IKM im November an einer großen Demo rechter Gruppen in Düsseldorf teil, aber die ähnlich gelagerte Gruppe um Hogesa-Kopf Dominik Roeseler aus Mönchengladbach blieb den IKM-Aufmärschen fern. Auch ein Kölner Mitglied der Identitären Bewegung wurde nach der ersten IKM-Kundgebung nicht mehr auf den Demonstrationen gesehen, die Unterstützung durch FC-Hooligan-Gruppen blieb ebenfalls aus.

 

Die politische Richtung der IKM ist jedoch eindeutig. Schon beim ersten IKM-Aufmarsch wurde ein Hitlergruß gezeigt, auch Samy A., ein regelmäßiger Demo-Teilnehmer, wurde im Sommer in Berlin dabei fotografiert, wie er den rechten Arm zum Hitlergruß erhob. Mitte November raunte ein Redner von »wenigen, die die Fäden in der Hand halten« und die »ganz schön pleite wären«, wenn sich die Menschen nicht mehr teilen ließen — ein bekanntes Motiv antisemitischen Verschwörungsdenkens. Bei einer Demo am zweiten Advent war dann vor allem die jüdische Publizistin Anetta Kahane von der Amadeu-Antonio-Stiftung das Ziel eines Redebeitrags.

 

Mitte Dezember kündigte Dennis M. in einem Facebook-Video an, dass die IKM-Demonstration am zweiten Advent die »vorerst letzte« gewesen sei. Hans-Peter Kilguss bleibt aber skeptisch: »Egal unter welchem Namen — es wird aus diesem Spektrum heraus weitere Versuche geben, Leute zu mobilisieren. Das Potenzial ist noch da.«

 

Wie das aussehen könnte, zeigte die IKM bei der Demo am zweiten Advent. Nach dem Ende zogen die Teilnehmer auf den Ebertplatz, wo Eltern und Kinder Schlittschuh liefen. Der Gastro-Stand weigerte sich, ihnen Glühwein zu verkaufen. Die IKM bedankte sich mit einer gegrölten Version der Nationalhymne, und pöbelte Journalisten an. Irgendwann wurde es der Polizei zu viel. Nach ein paar Schubsereien brachten die Beamten die erlebnisorientierten IKM-Teilnehmer auf den Nachhauseweg.


Von: Christian Werthschulte
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