StadtRevue Archiv | Artikel

Ausgabe: 2.2019

Kategorie: Kunst
Stichwort: Update Cologne 

Wann ist ein Bild ein Bild

Die Ausstellungsreihe »Update Cologne« präsentiert Heiner Blumenthal und Matthias Surges


Heiner Blumenthal, o.T., 2007/o.T. 2003 © Heiner Blumenthal und VG Bild-Kunst Bonn, 2019

Matthias Surges »Warzenried-bayrischer Wald«, 2017, Foto: Shigeru Takato; © Matthias Surges

Eine bemerkenswerte Auszeichnung geht in die zweite Runde: Unter der Federführung des Kulturamtes und mit einer hochkarätig besetzten Jury startete 2018 die Ausstellungsreihe »Update Cologne«. Sie würdigt herausragende künstlerische Positionen, die seit langem in Köln wirken, jedoch nicht durch permanente Ausstellungspräsenz die verdiente Resonanz genießen. Bewerben konnten sich auch diesmal Künstler*innen über fünfzig in einem offenen Wettbewerb. Dessen Ergebnis ist derzeit in den weitläufigen Kunsträumen der Michael Horbach Stiftung zu begutachten.

 

Die Wahl fiel auf Heiner Blumenthal und Matthias Surges. Beide werden als Maler tituliert, was nicht falsch ist, da sich beide in diesem Medium betätigen, wenn auch nicht ausschließlich. Was sie einander näher rückt, ist der Umstand, dass beide die Malerei von ihren Rändern her in Angriff nehmen, sie nicht einfach als gegeben akzeptieren, sondern auf vielschichtige Weise problematisieren und befragen. Der Weg hin zur Malerei erscheint in beiden Fällen wichtiger als das Ziel in Form eines fest gefügten Tafelbilds.

 

Überraschend zunächst die Entscheidung für Heiner Blumenthal, gilt er doch als feste Größe in der Stadt, ausgezeichnet mit namhaften Preisen, präsent auf internationalen Ausstellung. Geboren 1956 in Idar-Oberstein, studierte Blumenthal an der HDK Berlin und anschließend bis zum Diplom 1987 in Hamburg u.a. bei Franz Erhard Walther. Aber tatsächlich: Wollte man eine Reihe seiner großformatigen abstrakten Bilder sehen, musste man schon ins nähere und fernere Umland reisen, oder man vereinbarte ein Treffen in Blumenthals Atelier in Kalk. 

 

In einzigartiger Manier schafft Blumenthal seit den 80ern Bildwelten, die einen in das Bild hineinziehen und gleichzeitig über sich hinaus auf die Umwelt verweisen. Ein Interesse an Präsenz und Abwesenheit bestimmt sein Vorgehen, auf die frühen monochromatischen Gemälde folgt die Erkundung von Farbe, Licht und Raum. Blumenthals Arbeiten zeichnet eine subtile Instabilität aus. Die sanfte Farbigkeit der fern von jedem Formalismus kontrolliert gesetzten Pinselstriche auf ungrundierter Leinwand formt keine gegenständlichen Bilder, wohl aber den Rahmen für Deutungsmöglichkeiten. 

 

Der Gefahr des visuellen Verhedderns setzt sich Blumenthal dabei bewusst aus, sucht gezielt den schmalen Pfad, wo das Risiko des Scheiterns durch die porös textile Struktur der Leinwand gewissermaßen hindurch scheint. Seine Aufgabe, sagt Blumenthal, besteht in erster Linie im ständigen Überprüfen dessen, was da ist. Es sind immer wieder aufs Neue Versuche der sinnlichen Annäherung an Farbe, Format, Struktur, Gültigkeit. Auch in dieser Ausstellung lässt Blumenthal seine Bildwerke in einen Dialog mit seinen rätselhaften Schwarzweiß-Fotografien treten, geheimnisvolle Motive mit Ausschnitten aus der Tier- und Menschenwelt. 

 

Im zweiten Ausstellungsraum präsentiert der Maler und Bildhauer Matthias Surges eine Werkauswahl und sorgt als Entdeckung für ein echtes »Update Cologne«. 1959 in der Eifel geboren, studierte er 1984 bis 1992 an der Kölner FH für Kunst und Design bei Jörg Immendorf und Stefan Wewerka. Bei Surges kommt die Malerei mit einer eher konzeptuellen Note zum Einsatz, bleibt jedoch stets an das eigene Erleben und die biografische Erfahrungen gebunden. Sie evoziert das Formenvokabular der Moderne, Surges lotet grundsätzliche Fragen von Raum, Farbwahrnehmung, des Umkippens von Formen und Erwartungen aus. 

 

Eine frühe Werkserie, aus der auch ein prominentes Stück in der Ausstellung zu sehen ist, besteht aus monochrom lackierten, industriell gefertigten Aluminiumblechen, die durch markante horizontale Abkantungen oder Faltungen Objektcharakter bekommen. Sie rufen die Erinnerung an Landschaften wach, was durch die Farbwerte unterstrichen wird, die der Künstler an bestimmten Orten wahrgenommen und mit speziellen Autolackfarben umgesetzt hat. 

 

Die Arbeiten fixieren den Moment des Umschlags von autonomer zu kontextueller Skulptur. Dies gilt in besonderem Maße für Matthias Surges jüngste Arbeiten, auch diese ein Dialog zwischen bildhauerischem und malerischem Ansatz. Surges hat an diversen Orten Erdproben aus tieferen Schichten entnommen und präsentiert sie in Glaskästen auf Konsolen neben farblich genau abgestimmten kleinen monochromen Malereien auf Alumi-niumplatten. Die Bilder haben ein porträttypisches Format. In der Zusammenschau reflektiert der Betrachter seine eigene Position genauso wie die Frage, um die diese Ausstellung auf sehr anregende Art kreist: Was ist ein Bild? 

 

Kunsträume der Michael Horbach Stiftung, Wormer Str. 23 (Hinterhof), Mi + Fr 15.30–18.30 Uhr, So 11–14 Uhr

 

Finissage mit Künstlergespräch (11.30 Uhr) und Katalogpräsentation am 24.2. von 11–14 Uhr, update-cologne.de
Von: Harald Uhr
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