StadtRevue Archiv | Artikel

Ausgabe: 2.2019

Kategorie: Kommunal
Stichwort: Tunnel auf der Ost-West-Achse

»Dann seid ihr die Deppen«

Thor Zimmermann (Ratsgruppe GUT) erklärt, warum er einen Tunnel auf der Ost-West-Achse planen lässt


Spurensuche beendet: Busse bekommen freie Fahrt auf der Ost-West-Achse, Foto: Marcel Wurm

Herr Zimmermann, Ende 2018 hat der Stadtrat mit Stimmen von CDU, Grünen und Ihrer Wählergruppe beschlossen, eine unterirdische und eine oberirdische Variante auf der Ost-West-Achse zu planen. Die Kritik war heftig. Der Vorwurf lautete: Machtpolitik ging über Sachpolitik.

 

Thor Zimmermann: Der Rat ist mit dem Beschluss handlungsfähig geblieben und nicht als zerstrittener Haufen geendet. Es war kein Beschluss ohne Kompromisse möglich. Wenn das Machtpolitik ist, kann ich mit dem Vorwurf leben. Wir haben uns in der Sache geeinigt, ohne Querverbindungen zu anderen Beschlüssen oder Ressorts. Wer das kritisiert, soll mir zumindest aufzeigen, wie er es in dieser verworrenen Gemengelage besser gelöst hätte.

 

 

Warum braucht ein »Gestaltungsbündnis« aus Grünen und CDU eine kleine Wählergruppe, die zwischen den Partnern vermittelt?

 


Ich kann nur für uns sprechen. Wir fanden das verhandelte Papier von SPD, Grünen und Linken in der Sache schlecht. Man hätte etwas beschlossen, was definitiv nicht förderfähig gewesen wäre. Wir haben dann in unseren Gesprächen festgestellt, dass sich CDU und Grüne gar nicht gemeinsam an einen Tisch gesetzt hatten. Auch die Oberbürgermeisterin war nicht auf Stand. Da war’s schon Ende November. Die Rolle des Mittlers lag quasi vor unseren Füßen.

 

 

Die zentrale Frage »Tunnel bauen oder oben bleiben?«

 

ist aber unbeantwortet geblieben. Die Grundsatzentscheidung zur Nord-Süd-Stadtbahn ist nur auf Grundlage einer Machbarkeitsstudie gefällt worden, genauso die Sanierung der Oper. Das Ende ist bekannt. Jetzt kriegen wir eine solide Planung als Grundlage für eine Entscheidung. Das ist kein Zeichen der Schwäche! Man kann doch nicht sagen: Entscheidet aufgrund von Schätzungen, aber sollte was schiefgehen, seid ihr die Deppen.

 

 

Ihre Ratsgruppe ist gegen eine Tunnelvariante, hat aber eine Tunnelplanung mit beschlossen. Warum?

 


Alle Seiten mussten sich bewegen — und stecken dafür jetzt Prügel ein. Die CDU für die Busspuren, die Grünen für die Tunnelplanung. Wir erhöhen schnellstmöglich die Kapazitäten auf der Achse. Wir bauen oberirdisch die Haltestellen aus. Das wäre zwar sowieso passiert, wir machen es nur schicker, als dauerhaft überzeugende Lösung. Unser Ziel ist eine neue Verkehrsachse und Stadtraumgestaltung, die sichtbar und fühlbar besser ist.

 

 

Kritiker fürchten Stau auf der Aachener Straße durch eine Busspur.

 


Wir wollen eine Lösung, die verkehrlich überzeugt. Und es ist die Aufgabe der Verwaltung, die jetzt zu finden. Aber es gibt ein gewichtiges Argument für Busspuren: Wer den Bus nutzt, fährt am Stau vorbei. Ergebnis der Bürgerbeteiligung und Ziel unseres Beschlusses ist es, den Autoverkehr auf der Ost-West-Achse zu reduzieren. Daran wird auch nicht mehr gerüttelt, falls -später der Tunnelbau beschlossen werden sollte. Niemand wird einen Tunnel graben, um oben Platz für Autos freizuräumen.

 

 

 


Von: Jan Lüke
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