StadtRevue Archiv | Artikel

Ausgabe: 2.2019

Kategorie: Kunst
Stichwort: Gerhard Richter und Michael Schmidt 

Erhellendes Grau

Gerhard Richter und Michael Schmidt in ­einer famosen Doppelschau


Grau hat keinen guten Ruf. Unentschieden ist es, koloristisches Niemandsland. Grau ist allenfalls Theo-rie und hierorts übliches Winterwetter. Die Ankündigung einer Ausstellung mit dem Titel »Die Farbe Grau« für die tageslichtarmen Monate könnte also ein nicht nur atmosphärisches Wagnis sein, wäre der Galerie Thomas Zander mit der Kombination Gerhard Richter und Michael Schmidt nicht ein verblüffender, erhellender kuratorischer Coup gelungen.

 

Gerhard Richter (*1932), der viel-gezeigte und vermeintlich Allbekannte ist hier mit einer Auswahl seiner weniger populären grauen Bilder vertreten. Vor allem in den 70er Jahren entstanden diese faszinierend abweisenden, äußerst kühlen Malereien: in verschiedenen Malverfahren aufgetragenes Grau, gleichmäßig gerollt, einfach horizontal oder pseudogestisch verstrichen, sind es nüchterne Untersuchungen zu den Grundtatsachen des gemalten Bildes. Man kann sie als Richters Beitrag zur damals aktuellen Analytischen Malerei verstehen und gleichzeitig als Ausdruck und Bewältigung einer künstlerischen Krise. Ganz fundamental sind sie ein wichtiger Teilaspekt der von Richter mit seinem Gesamtwerk konsequent betriebenen Auslotung des Bildmöglichen.    

 

Mit Richters Malereien und später entstandenen grauen Spiegeln sind Schwarzweiß- oder eher noch Grau-fotografien von Michael Schmidt (1945-2014) in gemischter Hängung zu sehen. Der Berliner Fotograf ist ein Phänomen: Als Auto-didakt begann er 1965 zu fotografieren — einige der frühen, ebenso sprö-den wie großartigen Aufnahmen sind Teil der Ausstellung — und erarbeitete sich vor allem mit seinen thematischen Serien allmählich den Ruf eines äußerst genauen, mit einem sehr eigenen Blick auf die Welt schauenden Künstlers.

 

Schroff und unwirtlich, dabei noch dem Dokumentarischen verpflichtet sind seine Berliner Stadtlandschaften der 70er Jahre. Subjek-tiver, eindringlicher, auch befremdlicher wirken die Aufnahmen der von 1985 bis 1987 entstandenen Serie »Waffenruhe«, ein Zentralstück seines Werks, die sich mit der Teilung Berlins als einer stillen Alltagsbruta-lität auseinandersetzt. Trotz aller Welthaltigkeit seiner Bilder behar-rte Schmidt darauf, »daß die Fotografie ein autonomes Dasein führt«.

 

Dieses Anliegen teilen sie mit den grauen Arbeiten Richters, mit ihnen pflegen sie beste Nachbarschaft auf Augenhöhe.

 

 

Galerie Thomas Zander, Schönhauser Str. 8, Di–Fr 11–18, Sa 12–8 Uhr, bis 8.3.
Von: Jens Peter Koerver
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