StadtRevue Archiv | Artikel

Ausgabe: 2.2019

Kategorie: Kunst
Stichwort: Richard Hamilton, David Hockney und James Scott

Räume öffnen

Richard Hamilton und David Hockney treffen im Ludwig auf Kunstfilmpionier James Scott


Eine feine Grafik-Auswahl von David Hockney und Richard Hamilton, darunter Hockneys Zyklus »Illustrations for Fourteen Poems by C.P. Cavafy« (1966), der 2016 als Schenkung in die Sammlung kam — das allein wäre schon sehenswert. Doch das Museum Ludwig hat noch einen dritten Ausnahmekünstler dazu geladen: Mit James Scott (*1941) beehrt eine der faszinierendsten Gestalten der britischen Film-Fernsehen-Kunstwelt im Februar unsere Stadt.

 

Zwei von Scotts Meisterwerken sind als Zentrum der Ausstellung zu sehen: »Love’s Presentation« (1966) und »Richard Hamilton« (1969). Wer diese beiden Perlen des Künstlerfilms mit der ihnen gebührenden Aufmerksamkeit schauen möchte, kann das am 5.2. im Kinosaal tun und im Anschluss Scotts Ausführungen und Reminiszenzen lauschen. Am 6.2. ist dann noch ein weiteres Werk zu sehen, an dem Scott entscheidend beteiligt war: der selbstreflexiv-essayistische Agitationsfilm »Nightcleaners Part 1« (1974), den er als Teil des Berwick Street Film Collective erarbeitete.

 

Diese drei Werke lassen schon ahnen, wie vielgestaltig Scotts Talent ist. »Love’s Presentation« zeigt David Hockney bei der Arbeit an dem Kupferstich-Zyklus zu Kaváfīs Gedichten; konzentriert, schwarz/weiss, schlicht wie karg und ein wenig asketisch — ein Kino der Reduktion. Hockney reflektiert, Scott schaut ihm über die Schulter und auf die Finger. Betont wird so stets der Ausschnitt, ein Überblick, eine irgendwie geartete Form von Totale wird nicht angestrebt.

 

»Richard Hamilton« funktioniert völlig anders. Scott meinte in einem Interview, er habe den Film im Zusammenspiel mit Hamilton gestaltet, etwa indem er ihm einen Film zeigte (»Shockproof«, 1949; Douglas Sirk), aus dem er nur ein Aushangfoto mit Patricia Knight kannte, auf dessen Grundlage aber eine Arbeit entstanden war. Hamilton erlangt neue Perspektiven auf sein Schaffen, die Scott wiederum mit Material versorgen, das er in dem Film verarbeiten kann. So ist »Richard Hamilton« eher zyklisch im Gestus, suchend, Räume öffnend.

 

Und wenn man glaubt, das sei schon breit: Scott realisierte auch Spielfilme, u.a. eine exzellente -Graham Greene-Adaption (»Loser Takes All«, 1990), eine Biografie über seinen Vater, den Maler William Scott (»Every Picture Tells a Story«, 1984) sowie das Kleine Fernsehspiel »Coilin und Platoni-da« (1976); er inszenierte diverse TV-Serien-Episoden, produzierte Kurzfilme der Peploe-Geschwister: Scott ist das ganze Kino en miniature!

 

 

»Hockney/Hamilton: Expanded -Graphics«, Museum Ludwig, bis 14.4., Termine: Di 5.2., Kinosaal: Filme & Gespräch mit James Scott, Mi 6.2., Kinosaal: -»Nightcleaners Part 1« (1974)
Von: Olaf Möller
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