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Ausgabe: 2.2019

Kategorie: Musik
Stichwort: Za!

Za!


Papa DuPau und Spazzfrica Ehd — ja, lustig. So nennen sich die beiden Musiker, vielmehr Multiinstrumentalisten, die für Za! verantwortlich zeichnen, einem Powerduo, Frickelduo, Spaßmacherduo, Krawallduo, Highspeedvirtuosenduo aus Barcelona. Za!, die es offensichtlich schon seit 15 Jahren gibt, die aber international erst in den letzten Jahren für Furore sorgen, fügen der Palette des Post-, Math- und Avant-Rocks eine erfrischend geschmacklose, unbeschwert grelle Note hinzu. Sie inszenieren sich selbst und ihre Musik quietschvergnügt bunt und dadaistisch überzeichnet.

 

Verstehen wir uns nicht falsch, ihre Stücke spielen sie mit richtigem Wumms und gerne auch mit der Härte einer klassichen NYer-Hardcore-Combo. Aber immer mit einem verschmitzten Augenzwinkern, immer ein bisschen neben der Spur des guten Geschmacks und auf keinen Fall mit cooler Attitüde: die Türen und Tore weit geöffnet, damit alle komischen Gefühle genügend Platz finden können!

 

Vor 25 Jahren — es war die Hochzeit von Band wie The Ruins, Boredoms oder Ween — brauchte man solche Musik, um sich von den Trümmern der mit dem Nirvana-Hype restlos eingestürzten Rock-Underground-Welt zu befreien, man brauchte einfach den größtmöglichen Abstand zu Schmerzensmännern mit E-Gitarren, die nicht mehr im JuZe spielten, uns dafür aber von großen Werbetafeln in den W.O.M.-Läden entgegenschmachteten.

 

Heute hast sicher dieser Zappel-Sound als ideales Medium erhalten, um den Irrsinn einer so globalen wie in Besserwisserei zersplitterten Hipster-Popkultur (Doom aus Portugal und Bluegrass aus Rumänien — aber nur echt mit eritreischen Einflüssen!) zu ertragen. Za! sind eine Art Kopfschmerztablette, schmeckt aber nach Coca-Cola mit Erdbeergeschmack und merkwürdigen Pilzen. Viele ihrer Tracks kann man sich frei aus dem WWW herunterladen. 

 

Den Kölner Abend teilen sich Za! mit Pranke, auch einem Duo, aber aus Berlin und — wie könnte es anders sein — auf dem Staatsakt-Label beheimatet. Pranke sind natürlich ernster, einfach weil man in Berlin stets vorgeben muss, es wirklich ernst zu meinen, auch ist ihre Musik eindeutiger (melancholischer!). Aber Daniel Bodvarsson und Max Andrzejewski setzen aber im Zweifelsfall auf Abwege, Abbrüche, heftige Stimmungsschwankungen, bei denen wir live dabei sein dürfen. Das wird ein prima Abend!

 

 


Von: Felix Klopotek
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