StadtRevue Archiv | Artikel

Ausgabe: 4.2019

Kategorie: Film
Stichwort: Fantasy Filmfest Nights

Knackig-kurzes Frühjahrsspektakel

Diese Woche macht das »Fantasy Film Fest« wieder seinen frühjährlichen Ausflug ins Kunstfilm-Genre


Action-Exzess: »The Witch — Part 1«

Es ist wieder so weit: Das knackig-kurze Frühjahrsspektakel aus dem Hause Fantasy Filmfest fetzt durch die bundesdeutschen Kinos. Und wie immer ist die Auswahl »kunstiger« als bei der großen Spätsommersause. Will sagen: Es fehlt etwas an schlicht-geradliniger Kost fürs Genregemüt. Das saftigste Stück des Programms ist Milorad Krstićs bizarr-kubistischer Animationscoup »Ruben Brandt, Collector«. Darin versucht ein Psychoanalytiker sich von seinen Albträumen zu heilen, indem er einige seiner kriminellen Patienten damit beauftragt, jene berühmten Gemälde zu stehlen, die ihn im Schlaf quälen. Toll. Und etwas wahnsinnig!

 

Ansonsten werden Problemkinder angeboten wie Park Hoon-jungs »The Witch: Part 1 — Subversion« und S. Craig Zahlers »Dragged Across Concrete«. Beide leiden an denselben Problemen: zu viel, zu lang, zu auserzählt. Zahler bekommt seine viel zu verzweigte Geschichte wenigstens noch halbwegs in den Griff und hält eine solide Balance zwischen Ballerei-Spektakel und Dicke-Eier-Poserei. Park haut bei seinen Action-Exzessen dagegen zwar rein wie ein Weltmeister, arbeitet aber seine Geschichte so plattfüßig-pedantisch ab, dass man die Drehbuchseiten rascheln hört.

 

Ebenfalls nicht voll überzeugend, wenn auch grundsympathisch ist der grandios betitelte »Extremely Wicked, Shockingly Evil, and Vile«, Dokumentarfilmmeister Joe Berlingers Rückkehr zum Spielfilm nach seinem zu Unrecht verfemten »Book of Shadows: Blair Witch 2« (2000). Sein neuer Film erzählt die Geschichte eines zutiefst misogynen Soziopathen, Serienmörder Ted Bundy, aus der Perspektive der Frau an seiner Seite, Bundys langjähriger Freundin Elizabeth Kloepfer. Berlinger macht daraus ein bloß solid-realistisches Biopic — sein vierteiliges Dokumentarwerk »Conversations With a Killer: The Ted Bundy Tapes« ist ergiebiger. 

 

Mehr als ein Biopic ist auch »The Angel« nicht, doch Luis Ortegas erzählt die Geschichte des Argentiniers Carlos Robledo Puch, der im Alter von 19 Jahren innerhalb von acht Monaten elf Morde beging, mit ungleich mehr Schmackes und einem sardonischen Sinn fürs Mythologische wie Sarkastische. Das kracht, das scheppert, das strahlt. 

 

 

 

Sa 13.4.–So 14.4., Residenz. Vorverkauf ab Fr 5.4. Infos: fantasyfilmfest.com

 

 


Von: Olaf Möller
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