StadtRevue Archiv | Artikel

Ausgabe: 5.2019

Kategorie: Kommunal
Stichwort: Hallen Kalk

Wetterumschwung in Kalk

Genossenschaft oder Wirtschaftlichkeit? Die Pläne zur Umgestaltung der Hallen Kalk sorgen für Ärger


Rostige Hallen, frostige Stimmung: ehemaliges KHD-Gelände in Kalk, Foto: Dörthe Boxberg

Der Himmel über den Hallen Kalk strahlte 2017 in einträchtigstem Blau. Aus einem städtebaulichen Werkstattverfahren war die BeL Sozietät für Architektur als Sieger hervorgegangen. Ihr Entwurf für die stadteigenen Grundstücke: in einem westlichen Neubauriegel Wohnen und Werkstätten für die Bühnen der Stadt; in den Werkshallen 70 und 71 der Bildungscampus des Erzbistums, eine Kita und öffentlicher Raum; den östlichen Teil für die Abenteuerhalle und Vereine wie Pflanzstelle, Vision, Erlebnis inklusiv oder den Kulturhof, von denen man hoffte, sie würden sich zu einer Genossenschaft zusammenschließen. Kurzum: ein idealer Nutzungsmix, der sich zudem verband mit dem Erhalt der »Hallen in ihrer Großstruktur«, so BeL-Projektleiterin Laura Fuchs.  Doch der Himmel trübte sich schnell ein. Das Stadtplanungsamt meldete Bedenken gegen das Bauen im Hallen-Bestand an. Im Juli 2018 schlossen sich zahlreiche Initiativen zur IG Hallen Kalk zusammen. Sie drängten darauf, dass die Ergebnisse des Werkstattverfahren umgesetzt werden.

 


Dann allerdings scherten zwei Ankermieter aus. Die Werkstätten der Bühnen sollen auf einem weiter südlich gelegenen Grundstück des Immobilienentwicklers Osmab entstehen. Der Bildungscampus des Erzbistums bevorzugt einen Neubau auf dem Geländezipfel östlich der Christian-Sünner-Straße, wo eigentlich die Pflanzstelle und die BMX-Bahn ihren Platz bekommen sollten. Das Plangebiet verkleinerte sich, BeL plante um und berücksichtigte Kritik, die bei einer Präsentation im Februar aufgekommen war. Anstelle der Werkstätten sollen Büros entstehen, ein zugehöriges Parkhaus kommt unter die Erde. Die hohe Dichte wird zurückgenommen. »Wir denken in der Überarbeitung den Entwurf komplett ohne Hochhäuser«, sagt Laura Fuchs von der BeL-Sozietät. Der Wohn- und Büroriegel rückt zudem an die nun offene Halle 71. Dadurch entsteht neben dem nördlichen ein zusätzlicher westlicher Grünzug an der Neuerburgstraße, so wie es ein Klimagutachten empfohlen hatte. Die Halle 70 bleibt geschlossen, soll auch nicht mehr als Veranstaltungshalle genutzt werden, so Laura Fuchs: »Wir sind von den großen Veranstaltungen weggekommen und können uns eher eine Ausstellungsnutzung vorstellen.« Noch nicht geklärt ist, wo die Pflanzstelle (siehe S. 16) und die BMX-Bahn unterkommen sollen.

 


Die Mitglieder der IG Hallen Kalk vertreten unterschiedliche Interessen vom Wohnen über Sozialprojekte bis zu Kultur. »Das gemeinsame Interesse ist, dass das Gelände gemeinwohlorientiert entwickelt wird«, betont aber deren Sprecher Boris Sieverts. Während die eher aufs Wohnen konzentrierte Initiative Stadtraum 5#4 kaum zum Zug kommen dürfte, meldet Domid, das Dokumentationszentrum und Museum über die Migration in Deutschland e.V., großes Interesse an: »Die Hallen sind für uns ein Top-Standort«, sagt Geschäftsführer Robert Fuchs. Und der Kulturhof e.V. hat sogar ein Konzept für ein »soziokulturelles Begegnungszentrum« in den Gebäuden 66, 68 sowie dem Hof erarbeitet, so Sprecherin Meryem Erkus. Die Bewerbung bei »Initiative ergreifen«, einem Förderprogramm des Landes NRW, läuft — mit durchaus guten Chancen, sollte die Stadt mitspielen. Vielleicht liegt es an den unterschiedlichen Interessen, dass sich die Kritik der IG Hallen Kalk inzwischen vor allem am Verfahren der Stadt entzündet. »Wir fordern eine zusätzliche Runde, weil das Treffen im Februar kein Werkstattgespräch war, sondern eine reine Informationsveranstaltung«, sagt IG-Sprecher Boris Sieverts. Ein Brief an die Stadt sei unterwegs. Die Gründung einer Genossenschaft jedenfalls scheint derzeit nicht in Sicht, was bei BeL wiederum für Ernüchterung sorgt. Laura Fuchs spricht von einem »Wunschkonzert von allen Seiten«. Man müsse aufpassen, dass man neutral bleibe. BeL sorgte allerdings selbst für Irritationen. »Auflage der Stadt Köln für eine Weiterbeauftragung des Teams um das Architekturbüro BeL«, so Laura Fuchs, »war die Zusammenarbeit mit einem praktisch operierenden Projektentwickler.« Die Wahl fiel auf Aurelis. Der Akteur ist berühmt-berüchtigt seit den zähen Verhandlungen über den Verbleib von Jack in the Box am Güterbahnhof Ehrenfeld.

 

Man verfolge die Gespräche, teilt Aurelis-Pressesprecher Dirk Dratsdrummer mit, sei »derzeit aber nicht über die beratende Tätigkeit hinaus weiter im Projekt durch vertraglich fixierte Bindungen involviert«. Für Beruhigung sorgt das nicht. Genausowenig, wenn Anne-Luise Müller, Leiterin des Stadtplanungsamts, nach der »Wirtschaftlichkeit« des BeL-Entwurfs fragt. Dazu passt, dass auch die Kölner Messe ein Auge auf die Hallen geworfen hat. Man prüfe derzeit Logistikflächen, Zufahrten und Parkmöglichkeiten, teilt Sprecher Guido Gudat mit. »Erst nach dem Vorliegen weiterer Ergebnisse können wir mehr über ein mögliches Interesse an einer Nutzung durch die Koelnmesse sagen.« Die Ergebnisse eines internes Treffens zu Fragen der Wirtschaftlichkeit samt möglicher Umplanungen soll Anfang Juli vorgestellt werden soll. Es dürfte ein ziemlich frostiger Termin werden.

 

 

 

 


Von: Hans-Christoph Zimmermann
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