StadtRevue Archiv | Artikel

Ausgabe: 6.2019

Kategorie: Literatur
Stichwort: Philcologne

Sex, Fußball, Revolution

Die Philcologne diskutiert die großen Themen der Zeit


Früher Northern-Soulboy, heute Mustersozialdemokrat: Paul Mason, Foto: Marta Jara (CC-BY-SA)

Die Philcologne, Deutschlands größter Debattierclub, geht in die nächste Runde. Eine Woche lang wird wieder über die großen Themen der Zeit diskutiert: genetische Optimierung und Revolution, Sex und Fußball.

 


Den Auftakt macht am 3.Juni Grünen-Chef Robert Habeck. In seinem Buch »Was wir sein könnten«, beschreibt der promovierte Philosoph, wie mit Sprache Politik gemacht wird. Ob eine Steuerpolitik, die erläutert, dass der Begriff »Steuern« von »beisteuern« kommt, für eine Politikwende reicht, wird hoffentlich der Soziologe Harald Welzer herausfinden. Er sitzt mit Habeck am Eröffnungsabend auf der Bühne.

 


Eva Illouz widmet sich dagegen der Liebe in Zeiten des Links-Swipes. Das alte romantische Modell aus spontaner Überwältigung und langwierigem Werben habe ausgedient, stattdessen würden dank Dating-Apps Körper­optimierung und ökonomisches Nutzen-Denken die Liebe domi­nieren. Ob sie damit Recht hat und wo darin das Patriarchat seinen Platz findet, kann man am 6. Juni herausfinden.

 


Das Programm der Philcologne ist breit. Einen gewissen Humor kann man den Machern nicht absprechen: Ebenfalls am 6. Juni beklagt der Islamwissenschaftler Thomas Bauer die Tendenz zur »Vereindeutigung der Welt«, die zu Intoleranz führe. Einen Tag später darf dann »Aufstehen«-Mitgründer und Theaterregisseur Bernd Stegemann vortragen. Dessen Diskursinterventionen »zur Sache« sind aber eher ambiguitätsintoleranter Natur.

 


Interessanter dürfte es bei Paul Mason zur Sache gehen. Der ehemalige BBC-Journalist tritt für eine sozialdemkoratische Renaissance unter dem Labour-Parteichef Jeremy Corbyn ein. In seinem neuen Buch widmet Mason sich dann auch einer klassisch-humanistischen Idee: Auf Grundlage des freien Willens und mit Hilfe der liberalen Herrschaft des Gesetzes und des Gewaltmonopols des Staates sollen Algorithmen und Künstliche Intelligenz so genutzt werden, dass sie uns Arbeit abnehmen statt uns zu kontrollieren. Mason möchte uns so den Weg in eine »klare, lichte Zukunft« weisen.

 

 

 

 


Von: Christian Werthschulte
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