StadtRevue Archiv | Artikel

Ausgabe: 6.2019

Kategorie: Kunst
Stichwort: »You Are Here«

Und wer bist Du?

»You Are Here« versucht eine Standort­bestimmung der jungen Kölner Fotoszene


Hier sind sie also, die Nachwuchs­fotograf*innen, die dem Label »Foto­stadt Köln« neues Leben einhauchen sollen: im Stadtmuseum. Beim Rundgang durch die sowohl formal wie auch inhaltlich spannend abwechslungsreiche Schau rückt aber statt der Standortbestimmung eine andere Frage in den Vordergrund, mit der die jungen Foto­küns­tler*innen sich eingehend beschäftigt haben: Nicht wo, sondern wer bin ich, beziehungsweise wer bist du?

 


Mit der eigenen Identität, wie sie durch Erinnerungen und diese wiederum durch Fotografien aus dem Familienalbum geformt und transportiert wird, beschäftigen sich sowohl Morgaine Schäfer als auch Francesca Magistro mit ihren auf Dias basierenden Arbeiten. Felix von der Osten, der in einem Reservat für Natives in Montana fotografiert hat, und Marie Köhler, die auf Reisen quer durch Afrika immer wieder um gemeinsame Fotos mit den Einheimischen gebeten wurde, stellen die Identitätsfrage postkolonial: Wie bestimmen westliche Sehgewohnheiten das Bild des Anderen, Fremden, wie wird Unterdrückung auch durch Fotografie transportiert? Und wie kann man sich dem Leben marginalisierter Gruppen, wie den in die Enklave eines Reservats gezwungenen Ureinwohnern Amerikas, würdevoll fotografisch nähern, ohne ihr Bild zum Klischee zu stilisieren?

 


Das Foto als Token, als Beweismittel, »I was Here!«, ist in Zeiten von Instagram präsenter denn je.
Als Linn Phyllis Seeger ihre Fotos einer Reise in die pittoreske Provence nach ihrer Rückkehr betrachtete, fiel ihr auf, dass sie unbewusst genau die Bilder reproduziert hatte, die schon lange vor der Erfindung der Fotografie das idealisierte Image dieser postkartentauglichen Landschaft prägten. Bei einer erneuten Reise in die Gegend suchte sie dann gezielt nach solchen Flecken in
der Landschaft, in denen das nicht so Schöne offensichtlich wird, die gewaltsamen Eingriffe des Menschen in die Natur: gekappte Kiefern, die richtige Wunden an den Stellen tragen, wo einst Äste wuchsen, oder Rostspuren, die in den Boden gerammte Metallpfosten durch die Witterung auf den Steinen hinterlassen haben.

 


Als erster Teil einer Reihe, die sich dem jungen fotografischen Schaffen widmet, verspricht diese von Damian Zimmermann kuratierte Ausstellung der Photoszene eine Fortsetzung. Auf die nächste Ausgabe ist man schon jetzt gespannt.

 


Kölnisches Stadtmuseum, Zeughausstr. 1–3, Di 10–20, Mi–So 10–17 Uhr, bis 14.7.

 

 

 


Von: Leonie Pfennig
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