StadtRevue Archiv | Artikel

Ausgabe: 7.2019

Kategorie: Theater
Stichwort: Schauspiel Köln

Hurra! Praxis!

Das Festival »Britney X« am Schauspiel Köln erkundet Gender und Sex jenseits der Theorie


Carolin Emcke: »Ja heißt ja und …«

Vielfältig, offen und sensibel: die Idee von Gesellschaft, die das »Britney X«-Festival in den letzten zwei Jahren an die Öffentlichkeit getragen hat, zeigt sich auch in diesem Jahr, dieses Mal mit neuen, beeindruckend jungen Kuratorinnen und Kuratoren: Till Ertener, Charlotte Fiedler, Hermann Müller und Anna Tenti. Die vier kommen aus der Theaterwelt, der Politikwissenschaft und der Philologie und wollen mit dem Festivalprogramm zeigen, was Genderdiversity über die Theorie hinaus bedeuten kann.

 


In der Außenspielstätte am Offenbach werden vom 28. bis zum 30. Juni »three days about your feelings, your sex in our society« auf unterschiedlichste Art zelebriert. Da es hier grundlegend um das Rütteln an Machtverhältnissen und verkrusteten Strukturen geht, handelt es sich beim Line-up auch dieses Mal nicht um eine Reihe aus Vorträgen und performativen Darbietungen — die es zum Glück trotzdem gibt und die sich vielversprechend Themen wie Präimplantationsdiagnostik, dem dritten Geschlecht (aus juristischer Perspektive) oder der Präsentation einer sexuellen Topographie Kölns widmen.

 


Es wird Workshops geben, in denen darüber diskutiert werden soll, inwiefern eine konsensuelle Sexualität möglich sein kann; eine Frage, auf die in einem offenen Gespräch direkt im Anschluss diesbezüglich ein Rückblick der letzten 70 Jahre folgen wird. Weitere Workshops erschließen Möglichkeiten, in der Praxis (Hurra! Praxis!) Kritik an weißen Institutionen zu üben oder Texte auf die Formulierung von Sexualität bzw. deren Unmöglichkeit hin zu analysieren.

 


Das Theater-, und Performance-Programm umfasst schließlich ­szenische Arbeiten unter anderem auf Romangrundlagen, Gastspiele, zum Beispiel ein Rekurs auf Martha Roslers »Semiotics of the Kitchen« und Live-Installationen. Und es wird natürlich Konzerte, DJ-Sets, Lesungen und Mitmachaktionen geben, auf die man im Anschluss an der Bar den ein oder anderen Drink mit den VeranstalterInnen einnehmen kann.

 



Britney X — Festival III. Zu Privatheit, ­Prostitution, Internetsexualität, ­Machtverhältnisse in Beziehungen und im Alltag und soziale Rollen im Wandel der Geschichte, 28.–30.6., Außenspielstätte am Offenbachplatz

 

 


Von: Meret Meier
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