StadtRevue Archiv | Artikel

Ausgabe: 7.2019

Kategorie: Film
Stichwort: »Kölner Kino Nächte«

Kreuz und queer

Die »Kölner Kino Nächte« präsentieren die Vielfalt der hiesigen Kinoszene


Abschied von einer großen kleinen Dame: Agnès Varda in »Varda par Agnès«

Was haben »Portugal — der Wanderfilm« und »Andy Warhol’s Dracula« miteinander gemein? Natürlich nichts, außer dass sie bei den 11. Kölner Kino Nächten laufen. Seit jeher gibt es zwei Blickwinkel auf das Filmevent. Es ist eine Möglichkeit, für wenig Geld (18 Euro) ein langes Wochenende in Kinos zu verbringen und dort konzentriert »die Vielfalt, die die Kölner Film- und Kinoszene das ganze Jahr zu bieten hat« zu erleben, wie die Veranstalter es formulieren. Man kann die Kölner Kino Nächte aber auch als Ausdruck einer Kölner Misere sehen, die zum Beispiel auch das Programm des Filmforum NRW betrifft: In Ermangelung von Ressourcen — und wie es bei manchen Teilnehmenden auch wirkt: Motivation — wird Filmcontent von den unterschiedlichsten Film- und Kinoinstitutionen zusammengesammelt und zu einem Event zusammengeschnürt. Inspirierende Programmarbeit sieht anders aus.

 


Das heißt nicht, dass unter den mehr als fünfzig Langfilmen und Kurzfilmprogrammen nicht genug zu finden wäre, um ein Wochenende gut vor der Leinwand zu verbringen. Das Odeon hat Glück, dass gerade die Französischen Filmtage ihr Programm durch Deutschland schicken. Im Rahmen der Kölner Kino Nächte kann man unter anderem Agnès Vardas berührenden autobiografischen Schwanengesang »Varda par Agnès« sehen und François Ozons herausragend besetztes Missbrauchsdrama »Grâce à Dieu«, das bei den Kino Nächten vor seinem Bundesstart im September läuft.

 


Passend zu CSD-Umzug und -Straßenfest, die am gleichen Wochenende stattfinden, widmet sich die Veranstaltung auch queeren Themen. Das »Grüne Kino« vom Landtagsabgeordneten Arndt Klocke präsentiert zum Beispiel den 84er Dokumentarfilm »Before Stonewall«, der sich mit der Vorgeschichte der berühmten New Yorker Stonewall Riots beschäftigt, die Traumathek den aus dem gleichen Jahr stammenden »The Times of Harvey Milk« über den berühmten Schwulenaktivisten und Politiker aus San Francisco. Auch wenn der Vampir hier nach Jungfrauenblut dürstet — ganz schön queer ist auch der anfangs erwähnte »Andy Warhol’s Dracula« von 1974. In der Titelrolle Kölns einziger Weltstar: Udo Kier.

 


 
Kölner Kino Nächte: Do 4.7.–So 7.7., div. Orte
Infos: koelner-kino-naechte.de

 

 


Von: Sven von Reden
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