StadtRevue Archiv | Artikel

Ausgabe: 8.2019

Kategorie: Kommunal
Stichwort: Stadtrevue meint

Nicht wiedergutzumachen

Das NSU-Mahnmal muss an die Keupstraße. Das sollte sich die Stadt etwas kosten lassen


Präsentation des Denkmals im Museum Ludwig am 27.6., Foto: Dörthe Boxberg


Es ist eine Geste der Wiedergutmachung für Ereignisse, die nicht wiedergutzumachen sind: das Mahnmal für die NSU-Opfer an der Keupstraße. 2015 hat es der Stadtrat beschlossen, 2016 wurde ein Modell vorgestellt. Der Berliner Künstler Ulf Aminde will mit einer Betonplatte den Grundriss des Frisörsalons, vor dem 2004 die NSU-Bombe explodierte, nachzeichnen. Mit Videos soll dort die Geschichte von Migration und Rassismus in Deutschland erzählt werden, in der der NSU der bisherige Tiefpunkt ist.

 


Der Standort für das Mahnmal ist ein Grundstück an der Keupstraße. Der Haken: Es gehört einer Investorengruppe um Bernd Odenthal, dem Besitzer von E-Werk und Palladium. Der weiß allerdings nicht recht etwas damit anzufangen. Zwar wurde in einem Werkstattverfahren ein Architekten-Entwurf ermittelt, in dem auch steht, dass dort ein Mahnmal vorgesehen ist. Aber die Vorgaben sind so vage, dass sich weder die Investoren noch die Stadtverwaltung daran gebunden fühlen. Bislang existiert nicht mal ein Bebauungsplan für das Grundstück, auf dem lediglich das abbruchreife Gebäude einer Filmbedarfsfirma steht.

 


Es gibt einen Kompromissvorschlag. Vorgebracht hat ihn Andreas Hupke, Bezirksbürgermeister der Innenstadt. Statt in der Keupstraße, könne man das Mahnmal doch in der Probsteigasse errichten. Dort war 2001 eine NSU-Bombe in einem Kiosk explodiert, und in der Nähe gäbe es genügend Platz für das Mahnmal. Aber dieser kölsche Kompromiss ist eher gut gemeint als gut gemacht. Denn welchen Sinn würde es ergeben, den Grundriss des Mülheimer Frisörladens in die Innenstadt zu verlegen?

 


Es wird nur eine Lösung geben, um das Mahnmal zu realisieren: Die Stadt oder eine gemeinnützige Stiftung müssen das Grundstück an der Keupstraße kaufen. Manche sagen, genau darauf lege es Bernd Odenthal an. Angesichts der Mülheimer Bodenpreise von mindestens 300 bis 400 Euro pro Quadratmeter dürfte sich der Verkauf für ihn lohnen. Das aber darf kein Hinderungsgrund sein. Schließlich soll das Mahnmal ein Geschenk der Stadtgesellschaft an die Kölner Community sein, die von unseren Institutionen im Stich gelassen wurde. Das sollten wir uns etwas kosten lassen. Mit billigen Lippenbekenntnissen haben wir die Keupstraße lange genug abgespeist.

 

 


Von: Christian Werthschulte
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