StadtRevue Archiv | Artikel

Ausgabe: 8.2019

Kategorie: Kommunal
Stichwort: »Laurenz Carré« 

Kleinkariert

Stadt und Investor streiten um die Bebauung eines Areals zwischen Rathaus und Dom


Der Investor springt im Viereck: »Laurenz Carré« in der Innenstadt, Foto: Tom Zelger

»Hinterhof der Hohe Straße«, »ewige Rückseite«, »heruntergekommen«: Wenn Architekten das Areal zwischen Rathaus und Dom beschreiben, ist klar, wie viel Potenzial in den beiden Häuserblocks westlich der Straße Unter Goldschmied steckt. Entsprechend groß ist der Wunsch, dass hier neu gebaut wird. Pläne dafür gab es schon viele. Umgesetzt wurde keiner. Und zwischen dem derzeitigen Investor und der Stadt ist nun Streit ausgebrochen. Der Investor droht, auszusteigen. Politik und Verwaltung fürchten jahrelangen Stillstand. Es geht um die Frage, wer die Kontrolle über das Projekt behält.

 


Seit Mitte 2017 gehört das frühere WDR-Karree der börsennotierten Gerchgroup. Das Düsseldorfer Unternehmen ist bereits der vierte Eigentümer, nachdem unter anderem das Kölner Unternehmen Lammerting, das einen großen Teil der Grundstücke zusammengekauft hatte, kein tragfähiges Bauvorhaben entwickeln konnte und später ein französischer Investor den Plan für ein Einkaufszentrum — unmittelbar neben der Hohe Straße — aufgeben musste. 250 Mio. Euro will die Gerchgroup nun investieren. 2022 sollte das Projekt fertig sein. Derzeit sieht es allerdings nicht so aus, als ob das gelingen würde.

 


Seit dem Kauf ringen Investor, Baudezernent, Politik und Architekten um die Gestaltung des »Laurenz Carrés«, so der Name des Projekts. Zum Bestand gehören unter anderem das denkmalgeschützte Senatshotel, Parkhäuser und Gebäude des Bürgeramtes Innenstadt, die im Eigentum der Stadt bleiben. Zwei Hotels, Büros, Handel und Wohnen: Die Gerchgroup will die beiden Blocks dicht und hoch bebauen. Doch Baudezernent Markus Greitemann (CDU), die Politiker im Stadtentwicklungsausschuss und viele Fachleute wünschen sich eine Architektur, die den Maßstab der angrenzenden Altstadt mit den Bauten der Domumgebung verknüpft. Und auch der Kulturpfad Via culturalis soll dabei berücksichtigt werden.

 


Das schienen bislang keine unüberwindbaren Gegensätze zu sein. Politik und Verwaltung hatten mit der Gerchgroup einen Planungswettbewerb durchgeführt, mit einem viel gelobten Vorschlag des Kölner Architekturbüros Kister Scheithauer Gross als Gewinner. Die Architekten schlagen eine Gasse durch das Karree vor, wodurch der Blick von der Großen Budengasse auf den Dom ermöglicht würde. Doch steckt in der Konkretisierung des städtebaulichen Entwurfs immer noch genug Konfliktpotenzial.

 


Als der Investor Ende Mai Anträge für den Abriss erster Gebäude ankündigt, reagiert die Verwaltung mit Eile. Die Politik erlässt auf Vorschlag des Baudezernenten Markus Greitemann eine Veränderungssperre und leitet das Verfahren zur Erstellung eines Bebauungsplans ein — per Dringlichkeitsentscheidung. Die Drohung einer brachliegenden Baugrube sei ein Druckmittel, das dem Bauherrn wesentlich mehr Verhandlungsmacht verschaffen würde, sagt Greitemann. Und das will er verhindern — eine »normale und professionelle Entscheidung«, so der Baudezernent. Der Investor lässt daraufhin eine Jury-Sitzung für den Hochbauwettbewerb platzen — am Morgen des Termins. Einige der Juroren, die für das Preisgericht nach Köln gekommen sind, reisen unverrichteter Dinge wieder ab. Mit welchem Kalkül Mathias Düsterdick, Geschäftsführer der Gerchgroup, den Wettbewerb abgesagt hat, ist unklar. Politik und Verwaltung sind sich offenbar einig: »Wir lassen uns nicht auf der Nase herumtanzen«, sagt Sabine Pakulat, Sprecherin der Grünen im Stadtentwicklungsausschuss. Die Stadt solle »so viel Einfluss wie möglich« behalten.

 

Ein Bebauungsplan wäre für die Stadt das wirksamste Instrument, um die Entwicklung eines Bauvorhabens zu steuern. In einem mehrere Jahre dauernden Verfahren werden Vorgaben zur Nutzung, Dichte und Höhe ausgearbeitet, Interessen abgewogen. Das Ergebnis würde schließlich im Rat der Stadt verabschiedet. Die Rechtssicherheit wäre deutlich größer, sagt Greitemann. Er glaubt, dass sogar eine dichtere Bebauung möglich sei. Düsterdick pocht aber auf eine Baugenehmigung ohne ein solches Verfahren, das seiner Schätzung zufolge mindestens zwei Jahre Verzögerung bedeute. Ohne das Verfahren müsste sich die Gerchgroup lediglich an der Bebauung der Umgebung orientieren. Auch blieben dem Investor andere Vorgaben erspart: etwa der verpflichtende Anteil von 30 Prozent gefördertem Wohnraum oder die Beteiligung der Bürger. Damit könnte eine Baugenehmigung schneller erteilt werden.

 


Niklas Kienitz (CDU), Vorsitzender des Stadtentwicklungsausschusses, hat einen Kompromiss vorgeschlagen: Stadt und Investor sollten einen Vertrag aushandeln, der ähnliche Vorgaben festschreibt wie ein Bebauungsplan. »Die Politik würde auch dabei intensiv beteiligt«, sagt Baudezernent Greitemann. Am Tag der geplatzten Jury-Sitzung habe es dazu bereits Gespräche gegeben, berichtet die Kölnische Rundschau. Während Mathias Düsterdick, der Geschäftsführer der Gerchgroup, eine Unterzeichnung dem Bericht zufolge »nach dem Sommer« für möglich hält, sagt Baudezernent Greitemann: »Dafür fehlt mir im Moment die Phantasie.«

 

 


Von: Philipp Haaser
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