StadtRevue Archiv | Artikel

Ausgabe: 8.2019

Kategorie: Kunst
Stichwort: Madhusree Dutta

Über den Tellerrand

Madhusree Dutta wird als »Kulturmanagerin des Jahres« ausgezeichnet


Seit 2018 leitet die indische Filmemacherin, Kuratorin und Autorin Madhusree Dutta die Akademie der Künste der Welt, Foto: Dörthe Boxberg

Gerade mal ein Jahr leitet sie die Kölner Akademie der Künste der Welt — und schon wird Madhusree Dutta beim Kölner Kulturpreis als »Kulturmanagerin des Jahres 2018« ausgezeichnet. Dabei schien es lange, dass die 2012 gegründete Plattform für kulturelle und künstlerische Experimente in der einschlägigen Kölner Kulturwelt eher stiefmütterlich behandelt wurde.
Die Akademie ist eine hybride Institution. Sie kooperiert als städtische Institution mit diversen Kunst-und Kultur-Einrichtungen, von Musik über Theater, Tanz bis hin zur Bildenden Kunst. Darin sieht die Inderin Dutta, Gründungsmitglied der Akademie, ein gewisses Dilemma: Wer wisse schon, ­welche »Künste« gemeint seien und aus welcher »Welt« sie kommen sollen?

 


Das von Netzwerkarbeit und Interdisziplinarität bestimmte ­Profil der Akademie spiegelt Madhusree Duttas Biografie, da sie von 1990 bis 2016 bereits das interdis­ziplinäre Zentrum Majlis in Mumbai leitete und sich dort mit Migration und Feminismus auseinander­setz­te. Die Begründung der Preisjury, sie habe »wichtige Akzente der Dokumentation und Unter­suchung des urbanen Raumes gesetzt«, kommt nicht von ungefähr. Dokumenta­tionen des vielstimmigen städtischen Raums waren der 1959 in dem Industriestädtchen Jamshedpur geborenen Autorin, Kuratorin und Filmemacherin früh ein Anliegen.

 


So startete die Akademie mit Duttas Amtsantritt im vergangenen Jahr unter dem Motto »Be A Public Historian« ein überregionales »partizipatives, digitales Archivprojekt« im öffentlichen Raum. »Memory Stations« sammeln u.a. in Köln und im Ruhrgebiet die Erinnerungen der Menschen. »Stadtgeschichte ist eine Erzählung in vielen Sprachen. Uns geht es da um die Sichtbarmachung, die Überlagerung von Zeit­ebenen und Erfahrungen — als handele es sich um ein Palimpsest.«
Wir gratulieren, gleich doppelt: Fast zeitgleich zur Kölner Ehrung wurde Madhusree Dutta in Indien vom Internationalen Dokumentar- und Kurzfilm-Festival in Kerala für ihr Lebenswerk geehrt.

 

 


Der Kölner Kulturpreis wird jährlich vom Kölner Kulturrat e.V. verliehen. Weitere Preise gingen an die Opern­produktion »Die Soldaten«, das Afrika Film Festival und an Kurator Rochus Aust für die Reihe »LTK4 Klangbasierte Künste im Lutherturm«.
Ver­leger Helge Malchow (Kiepenheuer & Witsch) erhielt den Ehrenpreis für sein Lebenswerk.

 

 

 


Von: Uta M. Reindl
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