StadtRevue Archiv | Artikel

Ausgabe: 8.2019

Kategorie: Musik
Stichwort: 50 Jahre Woodstock

50 Jahre Woodstock

Das Festival bleibt bis heute eine wirkmächtige Bild-Maschine


Ob sich eine andere Geschichte Woodstocks lohnen würde? Material genug gäbe es. Mehr noch als von Musik ist das überwältigende Nachleben des Festivals, das vor fünfzig Jahren an jenen drei völlig verkorksten Tagen im August auf der Farm Max Yasgurs, die nicht mal in der Nähe des echten Woodstocks liegt, stattfand, von Bildern geprägt. In erster Linie vom Film, dem u.a. der junge Martin Scorsese einen höchst suggestiven Schnitt verpasste. Er prägt dem Festival nachträglich eine Ordnung auf, die es nie hatte, schon die Chronologie des Films ist eine andere.

 


Ein Gegen-Woodstock würde zeigen, dass 250.000 Fans das Festivalgelände nie erreichten und von den 400.000 Anwesenden nur ein Bruchteil die Musik verfolgen konnte. Der Sound war bescheiden, viele Performances waren es auch, und die Behauptung, dass Woodstock für unbekanntere Musiker den Durchbruch bedeutete, ist ein Euphemismus: Es traten eine Menge zweit- und drittrangiger Künstler auf. Sie sind so vergessen wie das Unwetter, das »Woodstock« in eine Katastrophenzone ver­wandelte.

 


Aber egal. Eine Konter-Dokumentation des Festivals hat es nie gegebenen, und dass etwa Pete Townshend (The Who) und Neil Young, den man während seines Auftrittes nicht filmen durfte, Woodstock nachträglich verfluchten, hat zum Fame umso mehr beigetragen. Das Bild vom Festival ist ohne Kratzer und strahlt bis zur Fusion 2019, obwohl von deren Besuchern, Acts und Machern bestimmt niemand an Woodstock als Blueprint ihrer Gegenkultur denkt.

 


In diesen Tagen ist mal wieder eine »definitive« Musikauswahl aus den Performances auf wahlweise 38 (!!), 10 oder 3 CDs erschienen, der französische Journalist Joulien Bitoun hat eine »definitive« Foto-Biographie veröffentlicht (Delius Klasing Verlag, 239 Seiten, 39,90 Euro). Natürlich scheitern diese Vorhaben, weil etwa der fette Fotoband die Zuschauerperspektive ausblendet und man sich die nun auch dokumentierte Musik von Melanie, Bert Sommer oder Mountain beim besten Willen nicht anhören mag. Die Bilder erklären das Bild nicht. »Woodstock« lässt sich nicht mehr scharf stellen.

 



Tonträger: »Woodstock 50 — Back to the Garden: The Anniversary Collectrion« (Rhino/Warner Music), bereits erschienen. Die 38-CD-Box erscheint am 2.8. ebenfalls auf Rhino.

 

 

 


Von: Felix Klopotek
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