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Ausgabe: 8.2019

Kategorie: Film
Stichwort: »Once Upon a Time in Hollywood« von Quentin Tarantino 

»Once Upon a Time in Hollywood«

Quentin Tarantino lässt das Los Angeles von 1969 wiederaufleben


TV-Cowboy Rick Dalton hat schon bessere Tage erlebt. Es ist 1969, das Jahr von Woodstock, von »Easy Rider« und auch der Manson-Morde. Rick hat einen Gastauftritt in einer neuen Western-Serie, er soll einen Bösewicht spielen — kein gutes Zeichen für seine Karriere. Rick verpatzt seinen Auftritt. Am Abend zuvor hat er ein paar Whiskey Sour zu viel gekippt. Wie meistens. In der Drehpause hadert er lautstark mit sich. Beim nächsten Take kanalisiert er seine ganzen Emotionen in seinen Auftritt. Er weiß, er hat es gut gemacht. Tränen des Selbstmitleids und des Stolzes sammeln sich in seinen Augen.

 


Quentin Tarantinos Filme ge­hen oft liebevoller mit den Genres — Western, Action-, Kampfkunstfilm — um, auf die sie rekurrieren, als mit ihren Hauptfiguren. »Jackie Brown« (1997) war bislang die Ausnahme. »Once Upon a Time in Hollywood« kommt ihm in dieser Hinsicht am nächsten. Auch hier steht der Genre­aspekt eher im Hintergrund, es gibt tatsächlich so etwas wie Empathie gegenüber den Hauptfiguren: Rick Dalton, gespielt von Leonardo DiCa­prio, und sein Stunt-Double und bester Kumpel Rick BoothBooth, Brad Pitt im entspannten »Dude«-Modus.

 


Nichts scheint Tarantino mehr zu rühren als verbleichender oder verblichener Schauspiel-Ruhm. In »Jackie Brown« hat der ehemaligen Blaxploitation-Star Pam Grier (»Foxy Brown«) ihn zu seinem zärtlichsten Film inspiriert; hier spielen zwei der größten aktuellen Hollywood­stars ehemalige B-Listen-Profis, die der Zeitgeist gerade hinwegfegt.

 


Mit Charles Manson und dem Mord an der Schauspielerin Sharon Tate — wie vorab vielfach berichtet — hat »Once Upon a Time in Hollywood« nur am Rande zu tun. Vor allem ist der Film eine Hommage an die Fußtruppen Hollywoods, an das audiovisuelle Fließbandgeschäft in der Zeit, als das Studiosystem zwar nicht mehr rund lief, aber auch noch nicht Anhängsel multinationaler Konzerne war —  und an Los Angeles selbst, die Stadt der Neonreklamen und Drive-Ins.

 


Das macht Spaß zu schauen, weil die beiden Stars gut aufgelegt sind, weil Tarantino ein Meister der liebevollen Erzählvignetten ist und vor allem, weil er das Geld hat und die Talente, um das L.A. des Jahres 1969 in spektakulärer Detailfreude wiederaufleben lassen. Am Ende verlässt ihn dann allerdings die Inspiration. Es soll nicht zu viel verraten werden, aber eine unnötige Gewaltexplosion und ein eitles Selbstzitat wirken arg ideenlos.

 



(dto) USA 2019, R: Quentin Tarantino, D: Leonardo DiCaprio, Brad Pitt, Margot Robbie, 159 Min. Start: 15.8.

 

 


Von: Sven von Reden
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