StadtRevue Archiv | Artikel

Ausgabe: 9.2019

Kategorie: Musik
Stichwort: Sparkling

Augen und Ohren auf!

Die Kölner Indie-Band Sparkling setzt sich mit Sehorganen und Sprachmixereien auseinander


Sollte man im Blick behalten: Sparkling; Foto Tom Zelger

Drei Jahre nach ihrer ersten EP erscheint dieser Tage mit »I Want To See Everything« das Debütalbum von Sparkling. Die beiden Brüder Leon (Schlagzeug) und Levin Krasel (Gitarre, Gesang), sowie Luca Schüten (Bass), haben sich Zeit gelassen, um an ihrem Sound zu schleifen und haben mit Stereolab-Schlagzeuger Andy Ramsay einen Produzenten (u.a. King Krule und Mount Kimbie) gefunden, den wohl viele nicht auf dem Schirm für ihre erste LP gehabt hätten. Selbstbewusst erzählen die drei Jungs von Sparkling beim Interview im Nobiko, einem veganem, japanischem Restaurant in Kalk, wie der Kontakt mit Ramsay entstanden ist: »Wir haben ihn angerufen und ihm unsere Sachen geschickt!« So einfach kann das sein. Außerhalb der heimischen Gefilde auf Suche zu gehen, kommt natürlich nicht von ungefähr. Levin, Leon und Luca haben eine Zeit lang in London gelebt, und dort auch in dem Szeneladen The Windmill in Brixton gespielt, wo sonst Bands wie Fat White Family, Shame oder Goat Girl ein- und ausgehen.

 

Euer langersehntes Debüt-Album kommt endlich raus! Eure erste Veröffentlichung war 2016 eine 4-Track-EP. Inwieweit hat sich für euch die Herangehensweise beim Schreiben und Aufnehmen auf Albumlänge unterschieden?

 


Levin Krasel: Das war ein deutlich längerer und tiefgehender Prozess. Erst ein Album ist richtig reprä­sentativ für eine Band. Wir haben viel ausprobiert, das Ganze nochmal instrumental komplett aufgebeizt und dabei geguckt, was wir alles für die Songs brauchen; viel hinterfragt und uns so gefestigt in dem, was wir sind als Sparkling. Dieser Prozess ist auf dem Album zu hören.

 

Euer Sound hat sich im Vergleich zur EP gewandelt, ist etwas weniger zackiger Post-Punk, dafür krautiger, frei fließender. Wie stark war da der Einfluss von Stereolab-Drummer Andy Ramsay, der die Platte in Düssel­dorf und London mit euch produziert hat?

 


Levin: Wir haben uns Andy bewusst wegen seiner anderen Produktionen ausgesucht. Und selbstverständlich auch weil wir Stereolabs Musik gut finden. Wir haben ihn aber auch als »Typen« ausgesucht. Er ist ja in Deutschland geboren und hat seine Jugend in Düsseldorf verbracht. Dieses ganze Englisch-Deutsch-Ding hat auch total gut zu uns gepasst: auch hinsichtlich unserer Texte.

 

Luca Schüten: Das war eine intensive Zeit. In London haben wir zum Beispiel direkt bei Andy geschlafen.

 

Levin: Die krautigen Elemente kommen aus unserer Auseinandersetzung mit Köln, wo wir herkommen, und Düsseldorf, wo wir aufgenommen haben. Dass wir jemanden wie Jaki Liebezeit noch live gesehen haben, fließt in die eigene Musik mit rein.

 

Ja, ihr habt euren Sound erkennbar erweitert und setzt nicht mehr nur auf die Rock-Trias Gitarre-Bass-Schlagzeug.

 


Levin: Wir wollten uns für das Album noch einmal komplett öffnen. Die Frage war, was die Songs noch brauchen können, um die Emotion und die Message rüber­zubringen.
Leon Krasel: Wir hatten auch einfach Bock auf neue Sachen. Schon lange haben wir Gitarre-Bass-Schlagzeug verwendet; es war Zeit für Neuerungen und dann haben wir einfach mal Synthies und E-Drums ausprobiert. Es ging darum, sich keine Grenzen zu
setzen, frei zu sein und einfach laufen zu lassen.
Levin: ...und Gitarre-Bass-Schlagzeug ist als Basis ja immer noch da.

 

Eure Texte sind eine Mischung aus Deutsch und Englisch und im Song »I Want To See Everything« singt ihr sogar auf Französisch...

 


Levin: Ja, das kommt vom Touren durch England und Frankreich. Das hat das Album total geprägt, dass wir immer überall hinfahren konnten. Von Köln aus ist man schneller in London oder Paris als in Berlin. Dieses Sprachgemixe kommt aber auch direkt aus unserem Umfeld oder von der Uni, wo Englisch meist die Sprache der Wahl ist. Wenn man mal ein Wort nicht weiß, switcht man den Code und sagt es in einer anderen Sprache, und dann versteht man das schon irgendwie. In unseren Liedern ist das also natürlich, nicht etwa gestellt.

 

Levin, du studierst an der Kunsthochschule für Medien (kurz: KHM). Warum hört man im Gegensatz zu den Film- und Kunstprojekten so wenig über Musikprojekte aus dem KHM-Umfeld?

 


Levin: Es gibt viele Musikprojekte dort, aber eher im Bereich der Experimentalmusik. Gleichzeitig entstehen viele Projekte nicht etwa direkt in der Hochschule, sondern drumherum. Ich persönlich nutze das Studium eher zum Umsetzen der visuellen Aspekte unserer Band; zum Beispiel um ein Video zu drehen.

 

Ihr macht am 22. November euer Record-Release-Konzert inklusive Party im Gebäude 9. Das wird ja seit Anfang Januar renoviert und erst im Oktober wiedereröffnet. Ich weiß, dass ihr da gerne hingeht. Wie habt ihr die Monate ohne Konzerte im Gebäude 9 überstanden?

 


Leon: Harte Zeit!
Levin: Ich bin einfach zu kleineren Konzerten gegangen. Im Bumann & Sohn und im Acephale war viel. Ich hoffe, dass das Gebäude 9 einfach so bleibt, wie es war (lacht).

 

Tonträger: »I Want To See Everything« (Vitamin A Records/Zebralution) erschien am 23.08.2019.






Von: Timo Weber
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