StadtRevue Archiv | Artikel

Ausgabe: 9.2019

Kategorie: Literatur
Stichwort: Fauser

Der hartgesottene Stilist

Die Crime Cologne widmet Beat- und Krimi-Autor Jörg Fauser einen Abend


Als Autor sein noch hieß, dass man rauchen musste: Jörg Fauser; Foto: imago stock?&?people

Es gibt nicht einen Jörg Fauser, sondern viele. Für die Popliteraten der 90er Jahre war der Krimiautor und Journalist ein Vorbild. Sein an Beat und hard-boiled Krimis geschulter Stil machte ihn zu dem Außenseiter im Literaturbetrieb, als den sich die Popliteraten selbst gern sahen. Seitdem wird Jörg Fauser regel­mäßig neu erfunden.

 


Dagegen verwehren kann Fauser sich nicht mehr. 1987 wurde er in München von einem LKW überfahren, als er auf der Autobahn spazieren ging. Wenige Stunden zuvor war er zur Feier seines 43. Geburtstags saufen gewesen — mit Bild-Kolumnist Franz-Josef Wagner. Auch wegen solcher Eskapaden beschreibt Ex-Spiegel-Redakteur Matthias Matussek Fauser als Vorbild, als Feind von Regietheater und Subventionskunst und nimmt ihn damit für seine eigene, rechte Kulturkampf-Agenda in Beschlag.

 


Dabei ist es ja nicht so, als hätte Fauser dafür nicht selbst genügend Schlagworte geliefert. In seinen Texte bleiben Frauen reißbretthaft, Männer saufen in der Kneipe ihre Probleme mit dem »Weiberkram« weg, und gegenüber Homosexuellen reproduziert er die Vorurteile seiner Zeit. Verlängert man dies in die Gegenwart, erhält man einen prototypischen Wutbürger im Kampf gegen die »allgegenwärtige politische Korrektheit«.

 


Aber Fauser vergisst nie, dass seine Texte in der BRD spielen, wo kurz zuvor das bis dato Unvorstellbare geschah. »Im Moor gab es eben wenig Arbeitsplätze, seit die KZs nicht mehr in Betrieb waren«, schreibt er über eine Autofahrt ins Hannoveraner Umland. Eine Rückkehr in eine bessere Vergangenheit gab es für Fauser nicht. Sein Deutschland war beschädigt. Dafür waren die alkohol- und drogensüchtigen Männer in seinen Romanen ebenso ein Zeichen wie die Kulturbetriebsangehörigen, die die Kaputtheit mithilfe sozialkritischer Krimis und anderer, gut gemeinter Kunstwerken kitten wollten. An ihnen verachtete der Dashiel-Hammett-Bewunderer Fauser vor allem, dass sie den Stil ihres Schreibens dem Anliegen unterordneten. Wie prägnant sein eigener Stil ist, lässt sich jetzt in der Werkausgabe nachlesen, die zu seinem 75. Geburtstag erscheint und die für die nächste Fauser-Neuerfindung sorgen dürfte.

Stadtrevue Präsentiert

 

Im Rahmen der Crime Cologne

 

»A Fistful of Fauser: Gerd Köster liest Jörg Fauser«,

 

Mi 25.9., Subway, 20 Uhr

 

Die Werkausgabe von Jörg Fauser erscheint im Diogenes-Verlag
Von: Christian Werthschulte
«  So viel Penis war nie  Wo die Freiheit wächst» Datensatz 6 von 6017 insgesamt.