StadtRevue Archiv | Artikel

Ausgabe: 9.2011

Kategorie: Kommunal
Stichwort: Gemeinschaftsgarten

Blumen für die Skandal-Brache

Die Initiative NeuLand hat in der Südstadt einen Gemeinschaftsgarten angelegt


Erst mal aufräumen: »Domgärten«-Brache
Foto: Manfred Wegener

»Seit Jahren weiß niemand, was mit dieser Brache eigentlich passieren soll«, sagt Dorothea Hohengarten. Sie hat die Initiative NeuLand gegründet, um auf einem Teil des 44.000-Quadratmeter-Areals an der Alteburger Straße, wo früher die Dombrauerei stand, einen Gemeinschaftsgarten zu errichten. Vorbild sind die kollektiv organisierten »Prinzessinnengärten« in Berlin-Kreuzberg. Dort werden auf einer Jahrzehnte lang un-genutzten Fläche Blumen, Kräuter oder Gemüse angepflanzt. 

 

Gemeinschaft in der Stadt erfahren, öde Viertel mit Grün beleben, der Wunsch, gesunde Produkte selbst anzubauen – all das kommt hier zusammen. Beispiele dieser großstädtischen Gartenkultur gibt es längst auch in Köln. In Ehrenfeld hat am Grünen Weg eine Initiative des Design Quartiers Ehrenfeld (DQE), die sich mit »Urbaner Agrikultur« befasst, einen Obsthain geschaffen. Und der Verein »Grenzenlos Gärten« hat an der Halle Kalk eine »Pflanzstelle« eröffnet; sie sollte vor kurzem geräumt werden, doch dann hat die Stadtverwaltung eingelenkt. 

 

Überhaupt darf man das neue Gärtnern nicht als Attacke auf die städtische Politik verstehen. Meist treten solche Initiativen ausdrücklich nur als Zwischennutzer an. Das Erdreich wird nicht genutzt, weil viele Brachen kontaminiert sind. Stattdessen wird in Kästen und Säcken gepflanzt, die Gärten sind mobil. Sobald die Bebauung des Geländes anstehe, könne man weiterziehen, erklärt Hohengarten. Dennoch wünscht sich die NeuLand-Sprecherin, dass später »mal etwas anderes entsteht als wieder nur Büros und teurer Wohnraum.«

 

Die Debatte, was auf dem Gelände geschehen soll, beschäftigt nicht nur die Stadt, sondern auch die NRW-Landesregierung. Das Gebiet ist quasi politisch vermient: Der Kölner IHK-Präsident und Bauunternehmer Paul Bauwens-Adenauer hatte es im Auftrag des landeseigenen Bau- und Liegenschaftsbetriebes (BLB) seit 2008 nach und nach erworben – und erheblich teurer an den Auftraggeber BLB zurück verkauft (siehe StadtRevue 5/2011), ein Vorgang der mittlerweile auch die Staatsanwaltschaft beschäftigt. Der BLB plante, dort die FH Deutz unterzubringen. Seit Juli steht nun aber fest, dass die FH in Deutz bleibt (siehe auch S. 15). 

 

Baudezernent Bernd Streitberger (CDU) will den Grüngürtel über das Areal verlängern. Auch Büros und Wohnungen, die in dieser Lage kaum preiswert sein werden, sind geplant. Jörg Detjen, Chef der Linken im Rat der Stadt, fordert »eine dringend benötigte Gesamtschule«, der SPD-Ortsverein vor allem bezahlbaren Wohnraum. »Für Einkommensmillionäre sind in den letzten Jahren schon genügend Wohnungen in der Kölner Südstadt entstanden«, heißt es in einer Presseerklärung. 

 


Von: Bernd Wilberg
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