StadtRevue Archiv | Artikel

Ausgabe: 7.2012

Kategorie: Kommunal
Stichwort: Helios-Gelände

»Wir müssen aufpassen«

Hawe Möllmann, Sprecher der BI Helios, über den Abschluss

der Bürger­beteiligung in Ehrenfeld


Hat gut lachen: Hawe Möllmann | Foto: Manfred Wegener

StadtRevue: Herr Möllmann, zwar muss der Rat der Stadt den Ergebnissen der Bürgerbeteiligung noch zustimmen, aber ihr größtes Ziel ist erreicht: Der Investor will kein Einkaufszentrum mehr bauen. Sie können zufrieden sein, oder?

 

Hawe Möllmann: Wir haben zu großen Teilen erreicht, was wir wollten. Abgeschlossen ist der Prozess aber nicht. Teile der Verwaltung haben schon Bedenken geäußert, ob sich das alles umsetzen ließe. Wir müssen weiter aufpassen.

 

Selten wurde eine lokale stadtentwicklungspolitische Auseinandersetzung
so breit diskutiert
.

 

Investor und Stadtverwaltung ist damals die Kinnlade runtergeklappt, weil 700 Leute zur Auftaktveranstaltung kamen, wo sonst ein paar versprengte Bürger sitzen.

 

Man konnte den Eindruck gewinnen, ein junges, gut vernetztes, gebildetes Milieu beherrscht die Diskussion. Was ist mit Alten, Kindern, Migranten?

 

Das ist nicht einfach. Ein älterer Bürger, der im sozialen Wohnungsbau auf dem Heliosgelände wohnt, beschwerte sich, wir würden uns nur um die jungen Kreativen kümmern. Dem hab ich gesagt, dass er auch kommen und sich beteiligen muss. Der war einmal da, und das war’s. Das ist traurig, aber wir können eben nicht dann noch allen Interessen hinterherlaufen.

 

Der Vorschlag der Inklusiven Schule stammt gar nicht von den Bürgern, sondern vom Schuldezernat. Sind Sie überrumpelt worden?

 

Nein. Wir wollten ja nie bloß das Einkaufszentrum verhindern, sondern haben die Stadt um neue Vorschläge gebeten: Musikhochschule? Kinderoper? Fachhochschule? Leider kam da nie was. Und dann kommt diese Schule angeflogen. Ich bin froh darüber, das Bildungskonzept überzeugt mich.

 

Sie wollen auf dem Gelände außerdem mehr Kultur...

 

Gerade die Kulturleute haben die Brache belebt.Die jetzt runterzuschmeißen, wäre unverschämt. Klar ist: Kultur und Kreativwirtschaft sind kein reines Subventionsgeschäft, wie es oft heißt. Natürlich erzielt der Investor damit keine Gewinnmaximierung, aber es rechnet sich. 

 

Der ehemalige Planungsdezernent Bernd Streitberger (CDU) hat die Ergebnisse als »Wunschkonzert« kritisiert.

 

Ich habe Herrn Streitberger durchaus schätzen gelernt. Aber mit Bezug auf Helios weine ich ihm keine Träne nach. Dass er nach dem Ergebnis des Werkstattverfahrens, an dem mehr als hundert Leute gearbeitet haben, sagt, er wisse nicht, warum dafür Geld ausgegeben worden sei, ärgert mich.

 

Nachdem bekannt wurde, dass ein Investor auf dem Ehrenfelder Helios-Gelände ein Shopping-Center errichten wollte (StadtRevue berichtete), formierte sich Widerstand. Schließlich willigte die Stadt ein, eine Bürgerbeteiligung durchzuführen. Die Bürger sprechen sich gegen das Center aus, wollen stattdessen unter anderem eine Inklusive Universitätsschule. Im Herbst soll der Rat der Stadt über die Vorschläge entscheiden. Weitere Infos auf buergerinitiative-helios.de.

Von: Interviewer: Bernd Wilberg
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