StadtRevue Archiv | Artikel

Ausgabe: 8.2012

Kategorie: Kunst
Stichwort: Kölnischer Kunstverein

Bernd Krauß: »Das ist heute möglich«


Soziale Räume der Kunst haben hierzulande immer eine gewisse Form, die an Behälter erinnert. Es sind, nicht nur metaphorisch, Innenräume. Wer da hinein will, ist ein böser Wolf, der Kreide gefressen hat, um seine Stimme zu verstellen. Bernd Krauß hat alles Zeug dazu, als so ein Schelm mit verstellter Stimme wahrgenommen zu werden.

 

Eine andere Lesart könnte ihn als einen Beobachter zweiter Ordnung charakterisieren. Seine Kunst formiert sich als Beobachtungsresultat dessen, was im Blick auf den gegenwärtigen Ausstellungsbetrieb alles möglich erscheint. Nicht nur der Ausstellungstitel legt eine solche Sichtweise nahe.

 

Für den Kölnischen Kunstverein hat der im Schicksalsjahr 1968 geborene Krauß ältere und zahlreiche neue, eigens für den Kunstverein entworfene Arbeiten zusammengeführt. Das Spektrum reicht von großen Styroporblöcken- und Skulpturen, aufgeschichteten Heuballen, diversen Textilobjekten bis zu allerhand klein- und kleinstteiligen Fund- und Bastelstückchen. Vitrinen und Regalsysteme verklammern zusätzlich den Raum.

 

Einen Parcours mit eng platzierten Hindernissen gilt es zu bewältigen. Der erlaubte Kurvenradius ist deutlich minimiert, die Fallhöhe großzügig bemessen. Vorgeführt wird die Behandlung von Realien oder Zeug als bloße Kulisse, als Mittel der Inszenierung von Kunst. Nur zu offensichtlich hängt Bernd Krauß an der streckenweise unansehnlichen, mitunter komischen Einfachheit der Realität. Fasziniert von heiter beschwingten schlichten Dingen mit der verblüffenden Fähigkeit, Geschichten in sich zu tragen, mimt er den Jongleur, der  sich alle Optionen offenhält.

 

So hat der Künstler inmitten des Raumes eine Enklave der Häuslichkeit als Wunschbild platziert, der man allerdings keinen Glauben schenken wird, klingelt doch alsbald schon das Desaster an der Tür. Was könnte der Künstler dabei im Schilde führen? Möglicherweise unterzieht er mithilfe seiner eigenwilligen Ausstellung den Betrieb als solchen einer Plausibilitätsprüfung. Wie lautet sein Fazit? Hier gibt es keine Wahrheiten, nur blindes Stochern – und es wird vergnüglich sein!

 


Von: Harald Uhr
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