StadtRevue Archiv | Artikel

Ausgabe: 3.2014

Kategorie: Musik
Stichwort: netzmusik  #18

Neue Musik aus dem Netz

netzmusik #18


 

Sputnik2017: Techno Works

bumpfoot.net/bump189.html

Alinoe: +

bumpfoot.net/foot220.html 

 

Das japanische Netlabel »Bump Foot« verliert nicht viele Worte über sich und seine Musik. Frei übersetzt nur soviel:  »Es gibt zwei Abteilungen: ›Bump side‹ für Techno und House, oder darauf basierend. ›Foot side‹ für Ambient, IDM und so weiter ... jedenfalls Anderes als auf der ›bump side‹«. Aha. Geboten wird keine fix produzierte elektronische Musik, sondern durchaus Elaboriertes, das sich in manchem DJ-Mix gut machen würde. Wie zum Beispiel die Tracks des aktuellen Albums »Techno Works« des Tokioter Duos Sputnik2017. Scheinbar ein wenig wahllos wandern sie von straightem Techhouse über Trip-Hop zu Drum’n’ Bass und zurück zu Downtempo — und doch durch---zieht eine von japanischem Pop und Electronica bekannte Leichtigkeit und Verspieltheit die Arrangements und geben dem Album seinen Fluss. Hierzu trägt auch die Kürze der Tracks bei — gibt es doch viel zu selten elektronische Musik, die sich nicht selbstverliebt über siebenminütige Tracks entspannt.

 

Ebenfalls frisch erschienen, allerdings auf der »Foot side«, ist »+« von Alinoe. Der in Irland lebende Pole veröffentlicht bereits zum vierten Mal auf Bump Foot. In der Tat stimmt das Versprechen des kargen Veröffentlichungstextes: Wir hören tiefen Ambient, bisweilen auch Ambient-Beat, der sich vor der »kommerziellen« Konkurrenz nicht verstecken muss. 

The Tailor — This Fever (bandcamp)

http://tarran.bandcamp.com/album/this-fever-2

 

Via Freequency Podcast #77 sind wir auf The Tailor aus Vancouver aufmerksam geworden, sein »psychedelischer Folk-Dubstep« (Christian Grasse) hat uns sofort in den Bann gezogen. Hier treffen sehr tiefe, aber keineswegs brutale Bassfiguren
auf bluesig düsteren Gesang, vereinzelt eingestreute Gitarrenlicks auf verschleppte Rhythmen und in Hall geschichtete Flächen auf Frickel-Klänge. Gebändigt wird sein Konstrukt durch geschickt konstruierte Leerstellen, die vielbeschworene Stille zwischen den Tönen. Selten hat sich Weltschmerz schöner angehört
als hier.

Erich Schall — Klong und Rauch (der kleine grüne Würfel)

http://bit.ly/wuerfel16

 

Erich Schall ist zurück und spannt mit seinem zweiten Album ei-nen weiten Bogen. Es fängt mit zurückgenommenen Klängen an, direkt gefolgt von einem durchschlagenden Technotool; ganz minimal, eine Bassfigur mit zwingender Noise-Rhythmik. Der Hörer findet schnell ins Album hinein,  wird aber immer wieder in seinen Hörerwartungen überrascht: Vier Minuten ohne Off-Beat-Hihat (warum nicht?), ein bisschen Schaffelfieber (gerne), Gamelan ähnliche Klänge mit Schluckauf (huch), eine Symbiose aus Steve Reich und Steve Bug (groovy) und zum Abschluss ganz klassischer Dubtechno (puh).

 


Von: Frank Christian Stoffel und Marco Trovatello
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