StadtRevue Archiv | Artikel

Ausgabe: 11.2015

Kategorie: Kunst, Politik
Stichwort: Flüchtlingskinder

Die Unterseite des Tisches

Wie nehmen Flüchtlingskinder Köln wahr?

Ein Foto-Projekt zeigt ihre Sicht


Luurens – Flüchtlingskinder fotografieren Köln

Köln im Sucher: »Luurens« macht Kinder zu Fotografen | Foto: Patrick Essex

»Wir schleppen die Kinder auf ­keinen Fall zum Dom«, sagt Patrick Essex. »Sie können selbst die Motive wählen, die sie mit Köln und ihrem Leben hier verbinden.« Der Fotograf hat zusammen mit Elisa Essex, ebenfalls Fotografin, sowie dem Autor Sebastian Züger und Roland Sachs, Inhaber des Hostels »Weltempfänger« in Ehrenfeld, das Fotoprojekt »Luurens!« für Flüchtlingskinder ins Leben gerufen. »In den Medien gehen die Kinder meist in einer passiven, gesichtslosen Masse unter«, sagt Roland Sachs. »Durch Luurens! können sie aktiv und individuell ihre Eindrücke von Köln sichtbar machen.« Das Medium Fotografie sei hierfür besonders sinnvoll, weil Sprachbarrieren wegfallen.

 

In Zusammenarbeit mit den Notunterkünften an der Herkulesstraße und der Boltensternstraße finden Ende Oktober und Anfang November die Foto-Workshops statt. Professionelle Fotografen, darunter auch Manfred Wegener von der StadtRevue, leiten die Kurse, in denen Kinder Fotografieren lernen. Danach ziehen die 6- bis 14-Jährigen mit Kameras los und halten ihre neue Umgebung aus ihrer ganz persönlichen Perspektive fest. Er sei sehr gespannt auf die Fotos, sagt Initiator Patrick Essex. Von seinem Sohn wisse er, dass Kinder Motive finden, die Erwachsene gar nicht wahrnehmen. »Zum Beispiel die Unterseite eines Tisches«, so Essex.
Unter dem Motto »Kinderblicke auf Köln — Eine fremde Welt« werden die Fotos Ende November im Kölnischen Stadtmuseum gezeigt. Die besten Bilder werden von einer Jury gekürt, in der unter anderem der Kölner Fotograf Boris Becker sitzt. Durch solch eine prominente Besetzung gewinne das Projekt an Ernsthaftigkeit und Reichweite, so die Initiatoren. Es soll den Kindern aber vor allem Spaß machen und Abwechslung bieten. Sie dürfen die gespendeten Kameras behalten und können nach dem Kurs weiter experimentieren.
Der Erlös der übriggebliebenen Kameras und Materialien wie Druckerpapier und Tinte geht an die »Refugee Law Clinic Cologne«, einer Initiative von Kölner Jurastudenten, die Migranten und Asyl­suchenden kostenlos Rechtsberatung anbieten.

 


Mehr Infos auf luurens.koeln
Die Ausstellung im Kölnischen Stadt­museum wird am 22.11. eröffnet
und ist voraussichtlich bis Karneval 2016 zu sehen.



Von: Malin Fichter
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