StadtRevue Archiv | Artikel

Ausgabe: 11.2015

Kategorie: Literatur
Stichwort: Parasitenpresse

Parasitäre Störgeräusche

Vor 15 Jahren gründete Adrian Kasnitz den Lyrikverlag »Parasitenpresse«


Adrian Kasnitz

Verleger mit Herz: Adrian Kasnitz | Foto: Manfred Wegener

»Mit Leuten arbeiten, die ich mag und die ich gut finde« — so einfach ist das Erfolgsrezept von Adrian Kasnitz. Vor 15 Jahren hat er mit der »Parasitenpresse« eine Anlaufstelle für Lyrik-Verrückte und Poesie-Nerds gegründet. Seither bereichert der Kleinverlag die deutschsprachige Lyrikszene und das literarische Leben in Köln, über 50 Einzeltitel sind bisher entstanden. Aktuell gibt es fast monatlich eine Neuerscheinung, mittlerweile mit Auflagen von für das Genre respektablen 150 Exemplaren. Independent, das hieß und heißt auch heute für den Verlag, sich nicht einzupassen in den Rhythmus des Marktes. Viel Neues wird ausprobiert, in Tonlage, Buchformat und -aufmachung. Lesungen und kreative Kooperationen, zuletzt mit anderen Kleinverlagen die »Expedition Lyrik«, sind Teil der Überlebensstrategie, für den Vertrieb der ISBN-losen Titel wie für neue Autorenkontakte. Kasnitz selbst ist Gastgeber der Lesereihe »Literaturclub Köln«.

 

Entdecker sein, den Nachwuchs fördern, das ist sein Antrieb. Vielen Autoren hat die »Parasitenpresse« neue, größere Verlagstüren geöffnet. Dabei geht es weniger um die neuen Stars aus Talentschmieden wie Hildesheim oder Leipzig als vor allem um unabhängige Köpfe. Schwerpunkt ist weiterhin Zeitgenössisches aus dem deutschsprachigen Raum. Doch längst sind die Parasiten international unterwegs, etwa mit Lyrik aus den Benelux-Ländern und Südamerika. »Jedes Buch ist ein Abenteuer. Die kollegiale Auseinandersetzung mit anderen Buchmenschen beeinflusst auch das Schreiben, die Texte«, so Kasnitz, der selbst Lyriker und Romanautor ist. So sind es nicht zuletzt die menschlichen Qualitäten des Herrn K., wie Kasnitz sich auf seinem Blog nennt, die den Erfolg sichern: Zuhören können, Neugierde und eine uneitle Freundlichkeit, die im Betrieb nicht immer selbstverständlich ist. 15 Jahre sind eine stolze Leistung für eine »Minipresse«, zumal im Namen der Verskunst. Verlegerischer Mut, Idealismus und ein hohes Qualitätsbewusstsein, auch in der Herstellung, zeichnen diese Arbeit aus, ganz im Geist des legendären V. O. Stomps. Und die Parasiten funken weiter ihre Störgeräusche in den Betrieb, beglücken uns mit widerständigen Texten.

 


15 Jahre parasitenpresse
Mo 23.11., 19.30 Uhr, Literaturhaus

 

 


Von: Roberto Di Bella
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