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StadtRevue Blog

20.02.2014
16:00

Kalle mit dem Rest der Welt

 

Mit einer Sitzblockade konnte heute die Zwangsräumung von Karl-Heinz Gerigk verhindert werden. Wir und 299 andere Menschen waren vor Ort. Eine Einschätzung nach einem durchfrorenem Morgen im Agnesviertel.

 

 

Das kann man wohl als Erfolg verbuchen. Rund 300 Menschen hatten sich am Donnerstagmorgen seit 6 Uhr in der Fontanestraße, einer kleinen Nebenstraße im Agnesviertel, versammelt. Sie wollten die Zwangsräumung von Karl-Heinz "Kalle" Gerigk zu verhindern. Der 52-jährige wohnt seit 32 Jahren in seiner Dachgeschosswohnung. Jetzt meldete der Vermieter "Eigenbedarf" an. Weil die Wohnung aber bereits im Internet zum Verkauf angeboten wurde, zog Gerigk zweimal vor Gericht, wo man seiner Argumentation aber nicht folgen wollte. Heute morgen sollte die Wohnung schließlich zwangsgeräumt werden.

 

Eine Sitzblockade bis zum Dachboden

Als der Gerichtsvollzieher kurz vor 8 Uhr mit einer Handvoll Polizisten eintrudelte, traf er auf eine Sitzblockade, die sich von der Straße über das Treppenhaus bis vor die Wohnungstür von Karl-Heinz Gerigk zog. Zwischen die jungen Antifas mit Kapuzenpullis und kampferprobten Aktivisten aus der Kölner Szene hatten sich viele Nachbarn gemischt, die sich mit Mütze und Campingstuhl ein Plätzchen in der Blockade gesichert hatten. Kein Wunder, dass zwei Stunden später ein erneuter Versuch der Polizei scheiterte, zur Wohnung von Gerigk zu gelangen.

Samba vs. Gerichtsvollzieher

In der Fontanestraße wechselten sich derweil Sambatrommler und Streicher ab. Als gegen 11.15 Uhr die Sonne die Temperatur in der Straße für eine lange Sitzblockade erträglich machte, zog sich Markus Strunk, der Sprecher des Amtsgerichts Köln mit ein paar Journalisten zurück: "Gläubiger und  Gerichtsvollzieher haben sich geeinigt, heute auf eine Räumung zu verzichten". Es dauerte ein paar Minuten, bis die Nachricht bei der Blockade ankam. "Einer für alle, alle für Kalle", skandierten die Demonstranten, diesmal lauter als zuvor. Sie haben es geschafft - für zwei Wochen zumindest. Dann wird ein neuer Termin für die Zwangsräumung bekannt gegeben. Der Räumungstitel selbst verfällt erst nach 30 Jahren.


Ein Musterbeispiel namens Kalle

"Zwangsräumung verhindern" nennt sich die Initiative, die für heute zum Protest aufgerufen hatte. Es ist bemerkenswert, dass es ihr gelungen ist, nicht nur die eh schon politisierten Teile Kölns und der umliegenden Städte für ihre Sache zu gewinnen, sondern auch die Nachbarn aus den umliegenden Straßen. Aber so leicht wie heute wird sie ihrem Namen beim nächsten Mal nicht gerecht werden können. Zwar begründete das Amtsgericht die Absage der Räumung mit der "Vermeidung einer Eskalation". Aber es war offensichtlich, dass die Polizei auf eine Sitzblockade dieser Größe nicht vorbereitet war. Beim nächsten Mal wird das nicht der Fall sein. Hinzu kommt, dass eine Zwangsräumung für die regierende SPD politisch fatal gewesen wäre. Für die Wohnungsaktivisten liegt genau hier eine Chance. Kalle Gerigk genießt bis weit in die bürgerliche Medien hinein Sympathien. Darauf lässt sich aufbauen - mit guten Argumenten und in der konkreten Auseinandersetzung mit den Plänen der Ratsmehrheit zur Wiederbelebung des sozialen Wohnungsbaus. Denn die Deutungshoheit über die nächste Zwangsräumung wird nicht auf der Straße gewonnen, sondern an den Küchentischen der immer teurer und beengter wohnenden Kölnerinnen und Kölner. 

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