Eine Neugründung zum Jubiläum
50 Jahre nach ihrer Gründung erlebt die Stadtrevue einen Neuanfang: Sie wird zur Genossenschaft. Während in diesen Krisenzeiten andere Zeitungsverlage Fusionen oder die Übernahme durch große Medienhäuser vermelden müssen, schlägt die Stadtrevue eine andere Richtung ein: Nach der Gründung unserer Verlagsgenossenschaft übernimmt diese nun zum Jahresbeginn den Stadtrevue-Verlag — und sichert so dessen Existenz und damit unabhängigen Journalismus für Köln. All das, was über Monate diskutiert, geprüft und geplant wurde, hat nun ein tragfähiges Fundament. Wir feiern, dass die Stadtrevue als unabhängiger Verlag in Köln nun jenen gehört, die oft über viele Jahre und Jahrzehnte die Stadtrevue begleitet, unterstützt und damit unabhängigen Journalismus für Köln ermöglicht haben: Leser:innen ebenso wie Mitarbeitende.
Die Genossenschaft startet jetzt bei null — und muss die Verlagsarbeit und die Produktion der Stadtrevue in den nächsten Monaten vorfinanzieren. Doch bis Redaktionsschluss haben sich bereits mehr als 130 Menschen der Genossenschaft angeschlossen und 400 Anteile gezeichnet. Von dieser Resonanz sind wir überwältigt! Damit ist der Kauf des Verlags aus der Insolvenz gesichert.
Diesen Schwung nehmen wir mit, denn jetzt beginnt der Aufbau der Genossenschaft. Sie muss wachsen, personell und finanziell. Wir brauchen viele Mitglieder und ausreichend Genossenschaftskapital, das den laufenden Betrieb stützt und die Stadtrevue in Krisen schützt. Die vergangenen Jahre haben gezeigt, wie groß die Abhängigkeit des Verlags von äußeren Umständen ist: die Auswirkungen der Corona-Pandemie und des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine, die darauf folgende Inflation in allen Bereichen. Eine Genossenschaft soll solche Schläge finanziell abfedern.
Doch ebenso wichtig ist, dass die Genossenschaft ein soziales und organisatorisches Gefüge bildet, in dem sich Genoss:innen austauschen, Kritik äußern, Ideen entwickeln und neue Verbindungen entstehen. Manche davon mögen zu Kooperationen führen, zu politischen oder kulturellen Kontakten, zu Beziehungen, die dem Verlag und seinen Mitgliedern nützen. Andere bleiben vielleicht einfach Gespräche. Entscheidend ist: Die Genossenschaft soll kein Geldtopf sein, sondern ein lebendiges Netzwerk werden.
Dafür markieren die Gremien, die wir im Gründungsprozess eingesetzt haben, den Anfang: Der Vorstand, der von der Versammlung der Mitarbeitenden gewählt wird, trägt die operative Verantwortung. Der Aufsichtsrat ist für zwei Jahre im Amt und wird danach regulär von der Generalversammlung neu bestimmt. Zwischen diesen Polen wird Gestaltung, Verantwortung und Kontrolle verteilt, damit alles transparent bleibt und die Geschäfte verlässlich geführt werden. Bis zu diesem Zeitpunkt wird die Genossenschaft ein Eigenleben entwickelt haben — mit engagierten Mitgliedern und einer Diskussionskultur, die über das rein Organisatorische hinausgeht. All das aufzubauen wird viel Energie benötigen, sie ist notwendig, damit die Genossenschaft zu mehr dient, als Krisen zu vermeiden.
Unsere Satzung ist dabei mehr als eine Ansammlung von Formalia, auch wenn sie von der Form natürlich auch »bürokratisch« sein muss. Die Satzung bestimmt, wie die Genossenschaft künftig arbeitet. Die Besetzung von Vorstand und Aufsichtsrat war ein notwendiger Schritt. Aber die demokratischen Verfahren, die wir in unserer Satzung festgeschrieben haben, werden erst mit Leben gefüllt, wenn die Mitglieder sich daran beteiligen. Eine Genossenschaft, die lediglich den Status quo verwaltet, verpasst den Fortschritt. Eine Genossenschaft, die investieren kann, schafft dagegen die Möglichkeit, journalistische und verlegerische Ideen umzusetzen.
Perspektiven entwickeln, Projekte angehen, Altes hinter sich lassen. Es geht aber nicht zwanghaft darum, die Stadtrevue neu zu erfinden, sondern darum, sie handlungsfähiger zu machen. Das betrifft sowohl neue inhaltliche Schwerpunkte als auch technische oder organisatorische Entwicklungen, die in den vergangenen Jahren, als wir vor allem im Krisenmodus agieren mussten, nicht ausreichend angegangen werden konnten.
Ziel ist, dass unsere inhaltliche Unabhängigkeit gewährleistet bleibt. Der Verlag führt sein Tagesgeschäft weiterhin selbstständig. Redaktionelle Entscheidungen liegen dort, wo sie hingehören: bei den Journalist:innen selbst. Die demokratischen Strukturen der Genossenschaft und die journalistische Unabhängigkeit der Redaktion stehen nicht im Widerspruch zueinander, sondern ergänzen sich. Die Genossenschaft schafft den Rahmen, in dem unabhängiger Journalismus möglich bleibt.
Was jetzt beginnt, ist ein gemeinsamer Prozess. Die Genossenschaft hat nun die Chance, zu zeigen, dass ein Stadtmagazin, getragen von denen, die es ernst meinen, eine Zukunft hat — und dass Unabhängigkeit nicht nostalgisch, sondern zeitgemäß ist. Der erste Schritt ist gemacht. Alles Weitere liegt nun in unseren — und euren Händen.
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