Freundliche Übernahme
Seit dem 1. Januar hat die Stadtrevue-Verlags-Genossenschaft den Verlag übernommen. Ein Einschnitt, ohne Bruch. Denn nicht alles wird anders: Unser Anspruch bleibt, Kontinuität in einer kritischen, von Konzernen unabhängigen und lokaljournalistisch verankerten Berichterstattung zu gewährleisten. Die Stadtrevue steht weiterhin für genaue Beobachtung, für Einmischung, für Streitlust und Neugier — für eine Haltung, die die Kölner Stadtgesellschaft in all ihren Widersprüchen ernst nimmt und sich nicht mit einfachen Antworten zufriedengibt.
Gleichzeitig bedeutet die Übernahme einen Neuanfang. Der Stadtrevue-Verlag startet nach dem Prozess der vorläufigen Insolvenz in Eigenverwaltung wirtschaftlich bei Null. Die Produktionen der kommenden Ausgaben werden zunächst aus dem Kapital der Genossenschaft vorfinanziert, da sich Erlöse aus Verkauf, Abonnements und Anzeigen immer erst zeitversetzt realisieren. Auch in den nächsten Monaten wird das so bleiben. In dieser Übergangsphase sichern die Genossinnen und Genossen die laufende Produktion — und damit die materielle Grundlage für unabhängigen Journalismus.
Konkret heißt das:
Mehr als zwanzig Arbeitsplätze im Kollektivbetrieb bleiben erhalten, unsere freien Mitarbeiter:innen können weiter für uns schreiben. Redaktion, Grafik, Hausmeisterei und Technik, Aboverwaltung und Vertrieb, Produktion, Anzeigenkundenbetreuung und Buchhaltung — all diese Bereiche tragen gemeinsam die Stadtrevue. Hinzu kommen die Honorare für die Freien, ohne deren Expertise, Recherchearbeit und Perspektiven dieses Magazin nicht denkbar wäre. Die Genossenschaft ist damit nicht nur eine rechtliche Konstruktion, sondern ein solidarisches Versprechen: Journalistische Arbeit braucht Zeit, Sorgfalt und sichere Strukturen.
Hinter uns liegen anstrengende Monate. Die vorläufige Insolvenz in Eigenverwaltung der Verlags-GmbH und parallel dazu die Gründung der Genossenschaft waren für alle Beteiligten eine enorme Herausforderung. Es wurde gerechnet, diskutiert, organisiert, gezweifelt — und dennoch weitergemacht.
Umso wichtiger war der Moment des Innehaltens: Am 2. Januar kamen wir mit unseren Genoss:innen der ersten Stunde in den Verlagsräumen zusammen. Bei Linsensuppe und Sekt feierten wir die freundliche Übernahme — unprätentiös, herzlich, erleichtert. Dieser Abend war mehr als ein symbolischer Akt: Er war ein erster Vorgeschmack auf das, was Genossenschaftsleben bedeuten kann.
Das Zusammensein bot Raum für Gespräche, Fragen und gegenseitiges Kennenlernen. Wie arbeitet die Redaktion konkret? Wie entstehen Themen, Texte und Bilder? Wo liegen die täglichen Schwierigkeiten, wo die Spielräume? Solche Momente des Austauschs wollen wir künftig regelmäßig schaffen. Die Genossenschaft soll ein lebendiger Ort sein — kein reines Finanzierungsinstrument, sondern ein Netzwerk aus Leser:innen, Unterstützer:innen und Produzierenden, die ein gemeinsames Interesse verbindet.
Immer wieder kamen zentrale Fragen auf: Wie funktioniert die Stadtrevue eigentlich, und wie finanziert sie sich? Was braucht es, um dieses Magazin und damit kritische Berichterstattung in Köln langfristig zu sichern? Vor allem sind das:
• Abonnements
• Anzeigenkund:innen, die unabhängigen Journalismus mittragen
• Gezeichnete Anteile, um die unsere Genossenschaft wächst
(Genaueres zu diesen drei Säulen hier…)
Vor allem aber braucht es Vertrauen: in die Relevanz lokaler Öffentlichkeit, in journalistische Arbeit jenseits von Klick-Logiken und in die Idee, dass Medien auch gemeinschaftlich getragen werden können.
Die Stadtrevue war immer ein Produkt kollektiver Anstrengung. Mit der Genossenschaft wird dieses Prinzip sichtbar und über unser Verlagskollektiv hinaus verbindlich. Sie macht transparent, dass unabhängiger Journalismus kein Selbstläufer ist, sondern tägliche Mühen, immer wieder Risiko und viel Verantwortung bedeutet. Sie eröffnet zugleich eine Perspektive: die Chance, die Stadtrevue gemeinsam weiterzuentwickeln — fest verankert in Köln und offen für alle, die sich einmischen wollen.
Sei dabei!
Möchtest du einen nachhaltigen Beitrag zur Sicherung und Weiterentwicklung der Stadtrevue leisten? Dann werde Mitglied der Stadtrevue-Verlagsgenossenschaft — wir freuen uns auf dich!
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