300 Bäume will die Stadt fällen — Dritte Stufe der Nord-Süd-Stadtbahn, Foto: Dörthe Boxberg

Bahn fällt aus, Anschluss ab Januar

Der Ausbau der Nord-Süd-Stadtbahn ist vorläufig gestoppt

 

Dass die Kölner Bahnen sich verspäten, kommt vor. Jetzt aber dauert es bis zum nächsten Jahr: Das Oberverwaltungsgericht in Münster hat der Stadt Köln untersagt, die Nord-Süd-Stadtbahn bis zum Bonner Verteiler im Süden weiterzubauen. Vertreter von Umweltinitiativen, Bürger aus dem Kölner Süden, hatten dagegen geklagt. Die Münsteraner Richter gaben ihnen nun Recht — vorläufig, in einem sogenannten Hängebeschluss. Sobald die Stadt Köln eine Entgegnung eingereicht hat, wird bis Jahresende endgültig entschieden. Aber dass der Planfeststellungsbeschluss der Bezirksregierung zurückgenommen wird, die Strecke also nicht gebaut werden darf, gilt als unwahrscheinlich. 

 

Es ist die dritte Baustufe des Stadtbahnbaus. Der erste Abschnitt war geprägt von der Katastrophe am Waidmarkt samt Einsturz des Historischen Archivs 2009. Der zweite Abschnitt ist die Anbindung an die Rheinuferbahn, eine Entlastung der Linie 16.  Nun geht es um die Anbindung des Südens an den ÖPNV. Am Bonner Verteilerkreis soll künftig die Haltestelle Arnoldshöhe mit einem Park-and-Ride-Parkhaus stehen, von wo  man in rund einer Viertelstunde am Hauptbahnhof wäre. Für Empörung unter den Bürgern sorgt vor allem, dass für die dritte Bausstufe rund 300 Bäume gefällt werden sollen. Die Stadt vertraut offenbar nicht darauf, dass wirklich viele Autofahrer am Bonner Verteiler in die Stadtbahn umsteigen werden. Damit es nicht zu Staus kommt, muss die Bonner Straße verbreitert werden, in  der Mitte fährt ja die Stadtbahn im eigenen Gleisbett.

 

Gerd Neweling ist seit etlichen Jahren Leiter des Amts für Brücken, Tunnel und Stadtbahnbau, also von gleich drei Aufgabengebieten, auf denen sich die schlechten Nachrichten stapeln. Diesen Amtsleiter bringt nichts mehr aus der Fassung. Er war bei vielen Bürgeranhörungen dabei, hat sich beschimpfen lassen und war selbst patzig, wenn‘s ihm zu viel wurde. Newelings Bereitschaft zu Bürgerbeteiligung wird von beteiligten Bürgern regelmäßig in Frage gestellt. Jetzt aber gibt er sich zugewandt: Das Beteiligungsverfahren sei sehr transparent gewesen, betont er, viele Vorschläge der Bürger seien auch aufgenommen worden. So müssen weniger Häuser abgerissen werden, und auch andere gute Ideen habe es gegeben. Aber jetzt das: Der Initiativkreis Bayenthal-Marienburg hat angeregt, die 300 Bäume nicht zu fällen, sondern auszubuddeln, woanders einzupflanzen — und sie später wieder neben die fertiggestellte dritte Baustufe zu setzen. Tobt der Amtsleiter, der von den Planungen »nach wie vor sehr überzeugt ist«, wie er glaubhaft versichert? Nein, Neweling bleibt ruhig. »Die Versetzung ist ein interessantes Thema«, sagt er. »So etwas haben wir noch nicht gemacht.« 

 

Translozierung nennt man das, und die Stadt teilt mit, dass von einem »spezialisierten Gutachter«, geprüft werde, ob die Bäume das aushalten. Aber sicher auch, ob der Kölner Haushalt das aushält. Könnte es sein, dass der Gutachter am Ende sagt: Es geht, aber nur teuer? Teurer und aufwändiger als gedacht ist ja fast alles an dem Katastrophen-Projekt Nord-Süd-Stadtbahn. 

 

Das Gutachten zur Translozierung soll bis Ende des Jahres vorliegen — ebenso das Urteil des OVG Münster. Die Bürger treffen sich derweil weiter zweimal wöchentlich zu Mahnwache und Gedankenaustausch. Die Stadt habe kein Gesamtkonzept für den Verkehr im Kölner Süden, sagen sie. Neweling sagt, man könne das eine tun, ohne das andere zu lassen. Soll heißen: Die dritte Baustufe ist unerlässlich, um den ÖPNV zu stärken. Danach kann man weitersehen.

 

Bis Ende Dezember können die Initiativen noch hoffen, dass das Gericht die städtischen Pläne stoppt. Neweling sagt, die Verzögerung stelle kein größeres Problem dar.