Überlebenstaktik

GoldLink ist eines der größten Talente im HipHop

Dass DIY-Producer aus dem Kinderzimmer via Internet zu richtigen Weltstars aufsteigen können, ist heute nichts Besonderes mehr. Subkultur dominiert den Mainstream, ist die Devise im Pop. Das weiß auch der US-amerikanische Rapper GoldLink aus Washington DC. Mit Anfang 20 postete er ein paar Tracks auf Soundcloud, die als Sample-Grundlage altbekannte HipHop-Schinken verwursteten — nur irgendwie anders.

 

Mit »The God Complex« (Squaaash Club/Digital Download) steckte er vor zwei Jahren seinen ungestümen Sound direkt selbst in eine Schublade namens Future Bounce. Und meint damit den unfassbaren lebendigen und he­terogenen Style aus schnellen Raps, EDM, House-Synthies und Funk&Soul. In Amerika wird D’Anthony Carlos, so sein bürgerlicher Name, längst als Erneuerer im Rap gefeiert. Ende September war der 23-jährige Wortakrobat erstmals in Europa auf Tour und machte auch in Köln einen Zwischenstopp. »Ich bin GoldLink. Ich bin schwarz. Und ich bin sehr gut im Rappen.« Wer sich selbst so vorstellt, muss ein verdammter Narzisst sein. Kanye West lässt grüßen. Der Hype um seinen innovativen Rap-Sound, befeuert die Selbstverliebtheit. Geboren und aufgewachsen ist GoldLink in Washington DC. »Ich könnte eine Revolution starten«, verkündet er. »Bisher gab es keinen bekannten Sound, der charakteristisch für DC steht. Ich kreiere diesen Sound. Wir lieben die schnellen Beats. Und wir lieben Soul und Groove. Weil viele Schwarze in DC wohnen, nennt man unsere Stadt auch Chocolate City. Wir lieben einfach den Dancing Groove.«

 

Die Regierungsstadt ist noch immer GoldLinks zu Hause. Das vertraute Gefühl der Hood brauche er, um überhaupt Musik machen zu können, sagte er im Gespräch nach dem Konzert im Club Bahnhof Ehrenfeld. Und stopfte sich noch ein paar mehr Chips in den Mund. Respektlos? GoldLink ist das egal. Auch dass er ein musikalischer Spätzünder sei: »Ich habe nie gezählt seit wann ich eigentlich Texte schreibe, weil es mir egal ist. Ich hab’s einfach getan. Mit 20 hat’s dann bei mir klick gemacht und ich habe gemerkt: Mann, da tut sich eine Chance für mich auf! Daraufhin habe ich angefangen, die Sache mit der Musik etwas ernster zu nehmen. Aber niemals zu sehr.« Und davor? »Drogen verkauft«, murmelt er neben das Aufnahmegerät. »Viele Rapper erzählen in ihrer Musik irgendeinen Fantasie­scheiß. Wer Drogen verkauft, läuft immer Gefahr erschossen zu werden, du wirst ausgeraubt, erstochen, bedroht. Deine Familie leidet darunter. Darüber rappt niemand! Es heißt immer nur ›Ich habe Drogen, ich habe Geld, ich habe Frauen‹. Bullshit, das ist nur eine Überlebenstaktik.«

 

Trotz seines jungen Alters ist GoldLink authentischer als so manch anderer seiner Rap-Kollegen. Auch die große Klappe mit dem Riesenego ist keine Show: »Die Gesellschaft sagt uns doch ständig, wie wir uns zu verhalten haben und dass wir einen Scheiß wert sind. Ich stimme dem nicht zu. Warum sollte ich deswegen anders sein.«