Musik aus dem Netz

Ant The Symbol, »You Are Here: Downtown«

 

Superluftige Downtempo-Chillout-Tracks, die eher Skizzen als ausgearbeitete Stücke sind. Genau darin liegt der Reiz. Hier werden Themen nur kurz angerissen und stehen für sich, ohne mit unnötigem Füllmaterial zugekleistert zu werden.  Keine tausend Sounds, nur ein, zwei Akkorde ein leichter Beat, ein paar Samples, aber alles schön langsam und nacheinander. Gegen Ende des Albums wird es zunehmend dichter und wirrer. Passt wunderbar in den Herbst, für alle die sich von den herabfallenden Blättern mit herunter gezogen fühlen und Lust auf ein wenig bittersüße Melancholie haben.

 

 

Masterminds XS, »Keep On Moving«

 

Dub-Reggae mit elektronischem Einschlag von einem Duo aus Saarbrücken. Natürlich gibt es hier Fake-Patois mit deutschem Akzent und das ein oder andere Reggae-Klischees. Daneben gibt es aber auch ein paar Tracks, in denen die beiden sich etwas weiter aus dem Fenster in Richtung Elektonik und Dub-Techno lehnen und dann wird es spannend. Hier hört man auch mal Wobbel-Bässe, Synthies from outer Space und den ein oder anderen Filtersweep. Die klassischen Roots-Reggae-Tracks des Albums sind solide und gehen in Ordnung. Die etwas elektronischeren dubbigen Stücke hingegen sind groß-artig. 

 

 

Kaceo, alle Alben

 

Die Band vermischt munter Gypsy, Polka, Chanson und Rock miteinander. Dabei auch immer ein wenig Dreck und Spucke, damit es ordentlich abgeht. Die akkustische Gitarre hat rund um die Uhr ordentlich Swing, das Akkordeon genügend Pfeffer und der französische Gesang einen geradezu verbotenen Charme, um nicht zu sagen: Nonchalance. Im Februar haben die fünf Jungs überraschend beim schweizer Eurovison 2016 Vorentscheid mitgespielt. Das hat ihnen in der Schweiz einiges an Aufmerksamkeit beschert, auch wenn sie selbst im Nachhinein das als ihre bisher seltsamste Erfahrung herunterspielen wollen. Nichtsdestoweniger veröffentlichen sie nach wie vor unter Creative Commons Lizenz. Unbedingt anhören.

 

 

Trafic Bear, »The Death Of Traffic Bear«

 

Ach, die jungen, aufstrebenden Bands von heute haben es nicht leicht. Hätte es Traffic Bear vor zwanzig Jahren gegeben, sie wären garantiert im Zuge der Alternative Nation Welle auf MTV rauf und runter gelaufen, wären im Vorprogramm von Sonic Youth auf Tour gegangen und hätten so ziemlich jedem Fanboy das Herz gebrochen. Doch heute in der postmodernen Beliebigkeit sind sie einfach nur eine weitere, verdammt gute Indieband auf Bandcamp, die allen Ruhm der Welt verdient hätten. In diesem Fall ein Quartett, mit singender Frontfrau am Bass. Sagte da jemand die nächste Kim Gordon?