Den Mix der Kulturen abfeiern: das Horizont-Ensemble in Aktion, Foto: Wolfgang Weimer

Komik trotzt ­Abschiebung

Jürgen Cremer inszeniert im Horizont Theater

Aziz Weinecks »Ein Zulu in Köln«

 

In Köln leben schätzungsweise 20.000 Menschen ohne Aufenthaltsrecht, so das Netzwerk »Kein Mensch ist illegal«. Jeden Monat werden aus dem nordrhein-west­fä­lischen Abschiebeknast Bü­ren 200 Menschen abgeschoben. Dem Protagonisten von Aziz Weinecks Stück »Ein Zulu in Köln« droht das Schicksal ebenfalls: Sphiwe Guala (Xolani Mdluli) hat seinen südafrikanischen Pass verloren und sitzt nun in Abschiebehaft, die ihn absurderweise, aber der Realität entsprechend, vierzig Euro am Tag kostet. Gut, dass Karen, eine hilfsbereite Aktivistin (nah dran: Anne Schröder) und der Rechtsanwalt Gideon Cramer sich seiner annehmen. Cramer verkörpert das Klischee des alles ganz genau nehmenden und doch etwas überheblichen Deutschen, das dadurch wieder gebrochen wird, dass die Rolle mit dem dunkelhäutigen Sunga Weineck besetzt ist. Je nach Bezug kann er sowohl als »weiß« wie auch als »schwarz« gelten.

 

Bestimmendes Stilmittel der Inszenierung von Jürgen Clemens ist die Verfremdung: Immer wieder unterbrechen die Figuren den szenischen Verlauf und gehen ohne Rücksicht auf Tabus ihren inneren Impulsen nach. Ein High­­light sind die Fantasien der sich auf Sphiwes Schoß räkelnden Karen über die physischen Vorzüge von »Farbigen«, die ja auch den »Rhythmus im Blut« hätten – »200 Jahre Sklaverei!« ruft sie zur Begründung noch hinterher.

 

In einer etwas lang geratenen, doch sehr witzigen Tanzszene mit schnellem Wechsel von Musik- und Bewegungsstilen ist dann der Mix der Kulturen gefeiertes Programm. Und Sunga Weinecks An­walt Cramer inszeniert auf die Frage des Zulus nach seiner, Cramers, Herkunft eine Quiz-Show, bei der sich der Jurist in eine aggressive Fragerei über die Stadt Köln, ihre Bauwerke und ihre Geschichte hineinsteigert: »Meinst Du, mir ist das leicht gefallen, immer ›Viva Colonia‹ zu singen!?« Auch die Zulu-Kultur weckt Neugier, sei es wegen der Knacklaute, der Lebensweisheiten oder der Arm­bänder mit versteckter Lie­bes­­nachricht.

 

Am Ende ist noch mal ein dicker V-Effekt angesagt, als die Akteure das Happy End als zu simpel empfinden (womit sie Recht haben) und zu einem »Dumm gelaufen«-Ende ummodeln. Das kommt sehr abrupt daher und schwächt die ansonsten stimmige Produktion des Horizont-Theaters. Die Kölner Dreiecksgeschichte voller Situationskomik, produziert von Akteuren, die recht genau wissen, wovon sie reden, spielt mit kulturellen Klischees und widmet sich mit Leichtigkeit und Witz dem Thema Abschiebung. Das tut gut, auch wenn – oder gerade: weil – sie für so viele bittere Realität bleibt.

 

A: Aziz Weineck, R: Jürgen Clemens, Horizont-Theater, 27.4., 20 Uhr