Liebe ohne Grenzen

Inter-racial Sex

»Monster’s Ball« kommt mit allerlei Erwartungen und Vorschusslorbeeren in die Kinos. Immerhin ist es der Film, der Halle Berry einen Oscar einbrachte. In der 74-jährigen Geschichte der Trophäe schafften das nur zwei andere Afroamerikanerinnen: Whoopi Goldberg und Hattie McDaniel für ihre Nebenrollen in »Ghost« und »Vom Winde verweht«. Berry jedoch spielt die Hauptrolle. Zum anderen sorgte »Monster’s Ball« für Schlagzeilen wegen einer inter-racial Sexszene zwischen Berry und Billy Bob Thornton, die amerikanische Zensoren auf den Plan rief, weil sie zu »drastisch« gewesen sei. Vanessa Williams hatte nach Lektüre des Drehbuchs die Rolle im Vorfeld abgelehnt; Berry hingegen war bereit, mit vollem Körpereinsatz zu spielen. Und genau der brachte dem Revlon-Model paradoxerweise die Anerkennung als ernst zu nehmende Schauspielerin ein.

Zwei Familien in den Südstaaten der 70er

»Monster’s Ball« trägt auf Deutsch den Untertitel »Zwei Welten – eine Liebe«, das weckt den Verdacht, dass hier antirassistische Politik romantisch als Sexualkitsch verhandelt wird. Ehrenrührig ist das keinesfalls: Erst Ende der 60er Jahre wurden in den letzten US-Bundesstaaten die Gesetzte abgeschafft, die Eheschließungen über die color line hinweg untersagten. Auf zurückgenommene, an das New Hollywood der 70er Jahre erinnernde Weise erzählt »Monster’s Ball« dabei zwei Familiengeschichten aus den Südstaaten, die sich zuerst im Gefängnis und dann im Bett verschränken. Da ist Hank (Billy Bob Thornton), ein Gefängniswärter, der mit seinem ultra-rassistischen Vater (Peter Boyle) und seinem sensiblen Sohn Sonny (Heath Ledger), beides ebenfalls Gefängniswärter, im Haus der Familie lebt. Und da ist Laetitia (Halle Berry), deren Mann Lawrence (Sean Combs aka. Puff Daddy aka. P. Diddy) seit elf Jahren in der Todeszelle sitzt.

Leititia verliebt sich in den Henker ihres Mannes

Als Hanks Sohn bei der Hinrichtung von Lawrence zusammenbricht, eskaliert der schwelende Familienkonflikt: Sonny erschießt sich; Hank kündigt den Henkersjob. Durch Zufall lernt er Laetitia kennen, die im Verlauf der beginnenden Romanze einen weiteren Schicksalsschlag erleidet. Verzweifelt kommen sie sich näher. Schließlich zieht Laetitia bei Hank ein, weil sie jemanden sucht, »der sich um sie kümmert«.

Problematische Auflösung

Das sind viele Tote und ein arg unwahrscheinlicher Plot. Überzeugen kann »Monster’s Ball« durch seine Milieuschilderung, Kamera und Schauspieler, die noch den härtesten Zyniker gefühlig anrühren. Problematisch bleibt die therapeutische Auflösung selbst: »Monster’s Ball« imaginiert eine Liebe jenseits der Geschichte, die nichts ist als das Wollen reiner Herzen. Weiße Männer haben jedoch schon immer gerne mit einzelnen »hilfsbedürftigen« schwarzen Frauen geschlafen. An ihrem Rassismus änderte das meist wenig.

Monster’s Ball (dto) USA 01, R: Marc Forster, D: Billy Bob Thornton, Halle Berry, Heath Ledger, 112 Min. Preview: Off Broadway, 28.8., 20 Uhr. Start: 5.9.