Geld für die Gruppe 47

»Wir Schriftsteller sitzen ja meist alleine am Schreibtisch. Es gibt keine Kantine, wo man sich regelmäßig austauscht«, sagt Marie T. Martin. »Darum ist das Literaturatelier so wichtig, als eine stille, aber wichtige Art der Literaturförderung. Es hilft ungemein, eine solche Gruppe zu haben, mit der man sich austauchen kann.«

 

Seit 1989 gibt es das Literatur­atelier Köln. Einmal im Monat treffen sich Kölner Autorenkollegen in der Stadtbibliothek und tragen ihre unveröffentlichten Texte vor den kritischen Ohren der Kollegen vor. »Eine Art Kölner Gruppe 47, könnte man sagen«, so Martin. Die Liste der Teilnehmer der vergangenen zwei Dekaden hält den ein oder anderen bekannten Literaten bereit: Marcel Beyer gehörte ebenso dazu wie Ulla Lenze oder Dieter M. Gräf. Heute noch nehmen regelmäßig 15 bis 20 Autoren an den monatlichen Gesprächen teil.

 

Ein Mal im Jahr öffnet das Atelier seine Türen für die Öffentlichkeit. In diesem Jahr hat man sich etwas Besonderes ausgedacht: Nachwuchsliteraten konnten bis Ende November ihre eigenen Kurztexte einreichen. Die besten werden zum Offenen Werkstattgespräch eingeladen, wo sie ihre Texte zunächst vorlesen und anschließend von den Profis kritisieren lassen dürfen. Das Publikum wählt anschließend den besten Text aus, der Gewinner erhält 100 Euro.

 

Bei dieser öffentlichkeitswirksamen Aktion geht es jedoch um mehr als die bloße Bekanntmachung des Literaturateliers. Es geht um die Zukunft. Ab dem kommenden Jahr beendet die SK Stiftung Kultur der Sparkasse Köln Bonn die finanzielle Unterstützung. Die Veranstaltung im Dezember wird einmalig vom Kölner Kulturamt unterstützt, danach sind sowohl die Finanzierung von ungefähr 8000 Euro jährlich als auch der Austragungsort unklar. »Wir müssen neue Förderer finden«, sagt auch Bettina Hesse, eine der dienstältesten Teilnehmerinnen.

 

Überlegungen gibt es viele: Ei­ne Zusammenarbeit mit dem Literaturhaus wird angestrebt, auch in punkto Förderer kann man sich verschiedene Geldgeber vorstellen. Sicher ist bislang nur eines. »Ein Ende des Literaturateliers wäre ein großer Verlust für die Kölner Szene«, sagt Hesse.