Nicht jeder ist ein Don Quijote

Im FWT inszeniert Stefan Hermann ein Meeting von Literatur und Kölner Wirklichkeit

Fünf Kölnerinnen und Kölner wurden für das Projekt »Don Quijote« gecastet. In der Inszenierung von Stefan Herrmann werden einschneidende Erlebnisse aus ihrem Leben in kurzen Monologen episodisch in die ansonsten klassisch erzählte Geschichte von Miguel de Cervantes eingebunden.

 

Zwar steht der Ritter von der traurigen Gestalt und sein Knappe Sancho Panza im Mittelpunkt des Geschehens, doch der Regisseur möchte offensichtlich auf die Helden von heute hinaus. Trauer und Verlust, aber auch Hoffnung und Sehnsucht sind die Themen der Bekenntnisse. Eine junge Frau erzählt auf der Bühne vom Warten auf die große Liebe, ein anderer von dem Schrecken, den der Unfall des eigenen Kindes auslöste, selbst ein coming out findet statt.

 

Die Inszenierung ist auf zwei Ebenen angelegt: Zum einen wird unterhaltsam der Plot aus dem dickleibigen Roman von Cervantes gespielt, zum anderen wird der Erzählfluss immer wieder kurz angehalten, um den fiktiven Ereignissen die Geschichten der Laien zur Seite zu stellen.

 

Doch was Cervantes in seinem Quijote so großartig gelingt, nämlich vorzuführen, was passiert, wenn man die Regeln der phantastischen Ritterwelt auf die profane Wirklichkeit anwendet, wirkt hier leider allzu bemüht. Die Themen der realen Schicksale und die der literarischen Figur entsprechen sich inhaltlich kaum. Dennoch hat Herrmann für seine Idee einen ausgewogenen Rhythmus gefunden. Die Übergänge sind flüssig, das Geschehen durchaus kurzweilig. Schön ist auch die Idee, die Laien am Bühnenrand gelegentlich als kommentierenden Sprechchor einzusetzen. Axel Gottschick spielt Don Quijote, den Querdenker und Idealisten, in seinem Wahn rührend verletzlich. Andreas Maier, als Sidekick Sancho Panza, sorgt für die lustigen Momente, meist ohne zu aufdringlich auf die Pointe zu schielen.

 

Das Bühnenbild bietet alles, um unkompliziert assoziativ in die Welt der beiden einzutauchen. Als Schattenspiel werden im Hintergrund Korngaben und die berühmten Windmühlen projiziert. Davor steht ein Tisch, an dem sich die beiden unzertrennlichen Gefährten immer wieder niederlassen, um miteinander über ihre Abenteuer zu reden. Auch die Monologe der Kölner Alltagshelden werden hier gehalten. Letztendlich bleibt ein unterhaltsamer Abend in Erinnerung. Nicht weniger, aber leider auch nicht mehr. Den Roman als Parabel für das wirkliche Leben zu inszenieren, gelingt nicht.