»In Köln haben sich die Leute ja nur für Techno interessiert«

In Berlin witzelt man bereits über zugezogene skandinavische Künstler. In Köln sind sie rar gesät. Alice Rose hält es hier schon 13 Jahre aus. Anfang Juni tritt sie mit den Stücken ihrer neuen CD auf.


Köln gilt nicht gerade als Mekka für skandinavische Musiker. Was hat dich 2001 hierhin verschlagen?

 

Ich war zuvor zwei Jahre in Berlin und fünf Jahre in Prag. Ich bin dann wegen meiner Tochter nach Köln gezogen, ihr Vater wohnte hier. Es hing nicht mit der Kunst zusammen. Ich hab zwar an der Kunsthochschule studiert, hatte mit der Musik aber immer viel mehr in Holland und Skandinavien zu tun. In Köln haben sich die Leute damals ja nur für Techno interessiert, das war etwas unbefriedigend. Ich hab auch gar nicht probiert, hier so viel zu machen. Jetzt bin ich noch immer hier,  langsam wird es leichter.

 

Siehst du dich inzwischen als Kölner Musikerin?

 

Das ist ein schwieriger Begriff. Ich versteh darunter eher Karnevalsmusik und Lokalpatriotismus. In diese Elektronikszene, für die die Stadt steht, passe ich halt nicht richtig rein, weil das, was ich mache viel zu emotional und songwritermäßig ist. Ich wohne hier seit 13 Jahren, klar hat das einen Effekt, aber für meine Musik gibt es hier keine Community. Viele meiner Freunde von der KHM sind nach dem Studium nach Berlin gegangen, sie wollen halt nicht etwa der einzige asiatische, schwule Filmemacher in Köln sein. Die Technoszene hier ist etwas kleinbürgerlich. Lange Zeit durfte ich z.B. nicht auflegen, da ich die Software Ableton Live verwende, das sei ja nicht echt. In den letzten zwei,drei Jahren entwickelt sich aber etwas, das in Holland und Frankreich schon lange läuft.

 

Und wie kommst du generell mit Deutschland klar?

 

Die deutsche Kultur ist ja zugleich geprägt von Systematik und Chaos, es gibt einerseits diese traditionellen Werte, aber zugleich ist es so chaotisch wie nirgendwo anders. Oft werden Systeme etabliert, die so kompliziert sind, dass keiner durchblickt. Die deutsche Kultur, wie sie einmal war, gibt es gar nicht mehr, es herrscht in Wirklichkeit eine große Vielfalt. In Dänemark geht es generell sehr viel lockerer zu, es gibt keine Formsprache, kein Siezen, keine Anrede mit Nachnamen.

 


Das ganze Interview gibt's in der aktuellen StadtRevue

 


Alice Rose tritt auf am:

Fr 6.6., Arty Farty, 21 Uhr

Sa 7.6., Magasin2, 21 Uhr im Rahmen von le bloc >

 

Das Album »Each Is A Dream« (Manual/Nova MD) erscheint am 6. Juni

 

 

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