Meine Option: Hysterie!!!

In der U-Bahn von New York wohnen Pest-Bakterien. Es ist wirklich wahr. Forscher haben, getrieben von Übermut, Langeweile und weil bis Quartalsende noch die schönen Fördermittel verbraten werden mussten, Bakterien eingefangen. Und zwar alle, die zufällig in die Petrischalen plumpsten. Es waren sehr viele, aber nur wenige legten Wert auf friedliche Koexistenz.

 

Es gibt wie immer drei Möglichkeiten, solchen Horror zu kommentieren: Erstens, alles bloß Panik-mache. Zweitens, es ist gelogen und von »interessierten Kreisen lanciert«. Drittens, einfach lässig wegschnoddern und fragen, ob wir denn bitteschön keine anderen Probleme hätten. Ich habe mich für eine vierte Option entschieden. Ich bin total hysterisch geworden. Mag sein, ich bin drauf und dran, mir einen Hygienefimmel zuzulegen. Egal, besser als Beulenpest. 

 

Yersinia pestis ist unter all den Kreuchern und Fleuchern eine der abscheulichsten Gestalten, noch vor dem Nacktmull. Selbst der friedvollste Freund aller Kreatur und Vorsitzende eines ultra-veganen Ethikrates wird kein Veto einlegen, diesem Bazillus den Garaus zu machen. Denn niemand möchte alsbald lateinisch glossolalierend sich geißeln müssen. Fifty Shades of Grey hin oder her.

 

Nun las ich aber in einer Fachzeitschrift, es reiche aus, sich die Hände zu waschen, »wenn man von draußen reinkommt«. Ich finde diese kindliche Formulierung für Epidemiologen recht putzig. Apropos: putz ich. Mit Seife und Wasser putz ich mir die Hände, wenn ich von draußen reinkomme.  Doch damit gehöre ich zu einer Minderheit.

 

Man kann sich sogar falsch die Hände waschen, das tut jeder Dritte, weil er nicht durchhält zweimal »Happy Birthday« zu singen, bevor er den Wasserhahn wieder abdreht. Und keinesfalls darf man anschließend jene Gebläse, die auf den Sanitäranlagen unterklassiger Gastro-nomiebetriebe und Autobahnraststätten stehen, zum Abtrocknen benutzen. Aus diesen lärmenden Kisten kommt mehr Dreck raus als man beim Toilettengang mutwillig einsammeln könnte. Leider ist die Abneigung gegen diese Gebläse nicht derart belegt, als dass sich damit die folgende apokalyptische Statistik rechtfertigen ließe: Nur 32 Prozent aller Männer waschen sich überhaupt nach Benutzung der Toilette die Hände. Immerhin benutzen diese Herrschaften eine Toilette – anstatt ihr Wasser dort abzuschlagen, wo sie ein Revier zu markieren beabsichtigen. Bei Frauen ist die Quote nicht wesentlich besser! Doch meine joviale Diskretion verbietet es mir, hier die Zahlen zu nennen. Selbst auf einem bedeutenden Hygiene-Kongress wuschen sich weniger als die Hälfte der Teilnehmer nach Strullern und Stuhlgang die Hände. Das hat jemand herausgefunden, der undercover als Klomann tätig war.

 

Mir leuchten daher die dringlichen Empfehlungen von Fachleuten ein, man möge den Handschlag zur Begrüßung aus dem Katalog bürgerlicher Etikette streichen. Dass nun gerade unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten der aristokratische Knicks und Diener progressiv anmuten, ist das einzig Amüsante an diesen Umständen. 

 

Ich wäre bereit, in die Vormoderne zurückzukehren, wenn mir dadurch grippales Geröchel bei mir und anderen erspart bliebe. Es reicht vollkommen, zur Begrüßung die Hände bei sich zu behalten und »Ich ehre in Dir jenen göttlichen Geist, den ich in mir selbst ehre, wohl wissend, dass wir eins sind« pantomimisch anzudeuten. 

 

Angesichts mangelnder Handhygiene erklärt sich übrigens auch jene urban legend, wonach eine Computertastatur bakteriell stärker kontaminiert sei als eine Klobrille. Auch wenn man einwenden mag, dass es wohl auf den jeweiligen Besitzer und Halter von Klobrille oder Computertastatur ankommt, doch auf Klobrillen werden in der Regel keine E-Mails
getippt.